10.8.2017 Grande Traversata delle Alpi: Abreise

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10. Tag
Wir haben beschlossen nach Hause zu fahren. Wir machen uns große Sorgen um den weiteren Wanderweg. Das Wetter will in den Bergen nicht besser werden. Im Gegenteil: Es ist von unwetterartigen Regenfällen die Rede. Leider sind wir nicht auf Städtetour vorbereitet, sodass wir auch nicht spontan umdisponieren können, um uns z. B. Rom oder Milano oder Venedig anzuschauen.
Da spontan weder Bahn noch Flugzeug bezahlbar sind, entschieden wir uns für Flixbus, der uns von Milano über Dortmund nach Berlin brachte. 25 Stunden Bus fahren. Schön war’s nicht.

9.8.2017 Grande Traversata delle Alpi: St. Antonio – Oropa

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9. Tag
Niemand aus dem Posto Tappa machte sich heute auf den Weg zum Colle Maccagno, obwohl die Sonne schien. Für den Nachmittag war wieder Regen angesagt. So beschlossen wir, die offensichtlich sehr schwere Etappe zu umfahren. Wir wanderten aus dem Vogna-Seitental hinaus nach Riva Valdobia und sahen unterwegs Monte Rosa! Von Valdobia sollte uns gegen 11 Uhr ein Bus aus den Bergen herausfahren. Bei Da Mario freuten wir uns über Cappucco und Internet. Mit insgesamt zwei Bussen und zwei Eisenbahnen kamen wir zwei Etappenziele weiter nach Oropa. Mit vielen Aufenthalten zwischendurch waren wir erst gegen 17 Uhr am Ziel. Oropa liegt auf 1180m und ist ein Wallfahrtsort im Stile einer Schlossanlage.

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Wir schliefen in einer der Pilgerunterkünfte, die von langen Fluren abgingen. Leider lag unsere Kemenate direkt über der Küche eines der zahlreichen Restaurants, sodass wir ständig Bratgerüche im Raum hatten. Ich mochte es gar nicht!

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8.8.2017 Grande Traversata delle Alpi: Peccia – Alpe Maccagno – St. Antonio

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8. Tag
Nach einem spartanischen Frühstück und dem Verpacken aller Sachen in Plastiktüten liefen wir schon vor 8 Uhr heute los. Die Wolken hingen sehr tief. Es dauerte nicht lange, da waren wir mitten im Nebel und sahen wenig. Dies wurde schlimmer, je weiter wir nach oben kamen. Nach 3 Stunden an der Alpe Maccagno auf 2188m, hatten wir deutlich Schwierigkeiten die Wegmarkierungen zu finden. Die einzigen Wanderer, denen wir heute begegneten, wiesen uns darauf hin, dass die Sicht sehr schlecht ist. Sie kamen vom Pass, der ca. eine Stunde von der Alpe entfernt war. J. war nicht bereit weiterzugehen. Nach kurzer Diskussion willigte ich ein, alleine weiterzulaufen, kam nicht in Frage. Die Sichtweite betrug 3-5m und es fing obendrein an zu regnen. Der Abstieg war dementsprechend schwer, denn nun war alles sehr aufgeweicht und rutschig. 700 Höhenmeter waren zu bewältigen. Wir benötigten auch dafür 3 Stunden.

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In Peccia zurück, sagten wir unseren Gastgeber*innen Bescheid, falls sie uns doch am nächsten Etappenziel angemeldet hatten und liefen weiter runter nach St. Antonio im ständigen Nieselregen. Im dortigen Posto Tappa angekommen, waren wir völlig durchnässt, bekamen glücklicherweise das Familienzimmer und konnten unsere Sachen einigermaßen trocknen. gegen Abend fing es an zu schütten und zwei Gewitter zogen durch. Unwetterartiger Regen ließ die Straße zum Fluss werden. Nun war auch ich froh, dass wir umgekehrt waren.
Es gab ein gutes Abendbrot und leider nur sehr schlechte Wetteraussichten.

7.8.2017 Grande Traversata delle Alpi: Alagna – Peccia

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7. Tag
In der pension gab es ein opulentes Frühstück, für das wir uns Zeit ließen, denn unsere heutige Etappe sollte eine kurze Sightseeingetappe werden. Wir umgingen mit Hilfe des schlauen Handys die GTA-Streckenführung (mehrere Kilometer Straße) auf einer schönen Alternative am Fluss entlang. So kamen wir ins Vogna Seitental und stiegen 630m hoch. Auf einem Sentiero dell Arte trafen wir auf mehrere kleine Walsersiedlungen mit den typischen Käfighäusern. Zur Hälfte waren sie unbewohnt, zur anderen Hälfte zu Ferienhäusern umgebaut. So auch unser heutiges Quartier. Es war ganz schön, so ein Walserhaus auch mal vin innen kennen zu lernen. es wurde vor über 400 Jahren errichtet.

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Nach einem Tee und Espresso genossen wir den halben Ruhetag auf der Terrasse. Ab 17 Uhr zogen die Wolken ins Tal. Sie hingen tief und kündigten den Wetterwechsel an. J. war sehr beunruhigt. Beim Abendbrot lernten wir zei Berliner*innen kennen, die ihre Wanderpläne wegen des Wetterwechsels für den nächsten Tag umgestellt hatten. Wir wurden köstlich von den beiden Gastgeber*innen versorgt. J. musste auf Bier verzichten, aber der Hauswein war ein gute Alternative.

6.8.2017 Grande Traversata delle Alpi: Rima – Algna

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6. Tag

Den Einstieg in diese Etappe mussten wir heute erst erfragen, weil er nicht gut ausgeschildert war. Wir stiegen 900 Höhenmeter zum Colle Mud. Es war ein angenehmer Aufstieg. Wir machten zwei kurze Pausen und waren nach drei Stunden oben. Der Trainingseffekt machte sich nun endlich bemerkbar. Ein Stück hinter dem Colle Mud sahen wir schon das Refugio Ferioli. Hier machten wir ausgiebig Pause bei Cappucco und Radler und genossen die wundervolle Aussicht in Liebestühlen. Am gegenüberliegenden Hang sahen wir ein letztes Schneefeld und darauf Schafe und Ziegen, die von zwei Hunden vom Absturz bewahrt wurden.

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dann stiegen wir 1200 Höhenmeter ab nach Pedemonte. Das ging flott. Wir benötigten nur zwei Stunden. Von hier aus waren es nur noch 20 Minuten nach Alagna, unserem heutigen – sehr touristischen – Ziel. In einer Pension bekamen wir ein kleines Zimmer. Nach einem Stadtrundgang mit Lebensmitteleinkauf zogen wir uns hierhin zurück und fanden es auch mal schön nur Käse- und Salamibrote zum Abendbrot zu essen.

5.8.2017 Grande Traversate delle Alpi: Carcoforo – Rima

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5. Tag
Nach einem üppigen Frühstücksbuffet sind wir um 9 Uhr losgelaufen. Heute hatten wir gleich zu Anfang 1000 Hm zu überwinden. Aus dem engen Egua-Tal ging es hoch, hoch, hoch bis zum Colle del Termo (2400m). Den erreichten wir nach 3 h und 15 min in knalliger Sonne völlig durchgeschwitzt. Wir genehmigten uns auf dem Pass eine längere Pause, treffen einige viel sportlichere Leute, die auch noch die umliegenden Gipfel erkunden. Der Abstieg nach Rima war ziemlich einfach, aber episch lang. Wir brauchten dafür auch 3 Stunden. An der einzigen Kneipe des Dorfes finden wir ein Schild „gta“ und werden von dort zum wunderschönen posto tappa gebracht. Hier sind wir die einzigen. Die anderen 12 Betten bleiben frei.

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Wir nutzen die guten Bedingungen aus und waschen große Wäsche, die leider nicht bis zum nächsten Morgen trocknet. Später sitzen wir mit Blick ins Tal auf der Terrasse lesend, schreibend, planend. Das Abendbrot bestand „nur“ aus vier Gängen und hat uns trotzdem satt gemacht. Wir waren schon recht früh zurück in unserem Posto Tappa, dachten, dass sowieso keine*r mehr käme, schlossen ab und ließen den Schlüssel stecken. Das war ein Fehler! Gegen Mitternacht gab es Tumulte vor der Tür. J. hat es zum Glück gehört und die Leute reingelassen. Ich habe tief und fest geschlafen.

4.8.2017 Grande Traversata delle alpi: Alpe Barranca – Carcoforo

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4. Tag
Wir haben grottenschlecht geschlafen. Mehr als 20 Personen in einem Schlafraum ist auch bei großer Disziplin aller Beteiligten schwer zu ertragen für uns. Unsere Matratze war so durchgelegen, dass wir die ganze Nacht versuchten, uns nicht in der Mitte zu treffen. Das Frühstück war überraschend reichhaltig und wir durften uns noch Stullen schmieren. Unsere Gastgeberin war sichtlich erleichtert, als alle Übernachtungsgäste loswanderten. Für die kommende Nacht hatte sich noch niemand angekündigt.
Um 9 Uhr begannen wir den langen Aufstieg (700Hm) zum Colle Egua (2239m). Nach ca. 3 Stunden waren wir oben. Auf dem Pass machten wir eine ausgiebige Pause und liefen dann über Rifugio Boffalora – eine Hütte des italienischen Alpenvereins CAI – hinunter nach Carcoforo. Im Hotel Alpenrose gab es ein Posto Tappa (Schlafraum für GTA-Wandernde) mit 8 Betten. Hier schliefen wir zu fünft ganz gut.

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Nach einem Cappucco schauten wir uns den schönen, alten Ort an und landen am Fluss in einer Outdoorkneipe. Nach 20 Uhr begann wieder die Völlerei: 5 Gänge in gleicher Runde wie am Abend zuvor.

3.8.2017 Grande Traversata delle Alpi: Rimella – Alpe Barranca

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3. Tag
Passend zum gestrigen Abendessen gab es hier ein üppiges Frühstück und wir wurden aufgefordert uns Brote zu schmieren und zum Abschied bekamen wir noch eine Tafel Schokolade geschenkt. Leider war J. appetitlos. Gegen 10 Uhr kamen wir los. Zuerst mussten wir weiter ins Tal absteigen um dann auf der gegenüberliegenden Talseite wieder aufzusteigen. Wir kamen durch 2 verlassene Dörfer. 400m höher trafen wir auf der Alpe Res zwei Pilzsammler, die uns stolz ihre gefüllten Pilzrucksäcke zeigten. Weiter unten im nächsten Tal mussten wir 2 km in der mittäglichen Hitze auf der Straße bergauf laufen. Kein Schatten, keine Einkehrmöglichkeit. Die 4 Liter Wasser wurden knapp. Der Aufstieg zur Alpe Barranca dauerte lange und war anstrengend, weil wir schon ziemlich kaputt waren. Wir legten viele Pausen ein und erreichten als vorletzte Übernachtungsgäste die Alpe. Es gab nur noch ein Notbett neben der Treppe im Schlafsaal. An der einzigen Dusche gab es eine Schlange. Das Abendbrot war dann wieder üppig. Wir lernten vier Leute aus dem Rheinland und aus der Schweiz kennen.

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2.8.2017 Grande Traversata delle alpi: Forno – Rimella

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2. Tag
Nach einem schmalen Frühstück verließen wir um 9 Uhr die albergo del leone. Zunächst liefen wir eine Einstiegsetappe nach Campello de Monti 2 Stunden lang und schafften dabei 400 Höhenmeter. Diese Einstiegsetappe brachte uns auf die 3. offizielle GTA-Etappe. Auf der galt es weitere 620 Höhenmeter zu überwinden, um über den Boccetta di Campello – einen Pass auf knapp 2000m Höhe – nach Rimella hinabzusteigen. Der Abstieg bescherte uns die ersten Blasen an den Zehen. Die Sonne schien kräftig, wir waren ordentlich durchgeschwitzt. Am Nachmittag gab es ein paar kurze Regenschauer, die uns aber nicht weiter störten. Gegen 16 Uhr erreichten wir die albergo de Fontana und bekamen ein großes Zimmer, das provisorisch in einem Nebengebäude eingerichtet war. Wir schliefen zwischen alter Weihnachtsdeko und Geschirrschränken. Nach einer Dorferkundung bekamen wir das üppigste Abendessen der GTA: 5 Vorspeisen, 2 Pastagänge, 1 Fleischgang, 3 desserts und der obligatorische espresso. Das Gelage dauerte 3 Stunden.

1.8.2017 Grande Traversata delle Alpi: Anreise

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In diesem Jahr wollten wir mal ausprobieren, ob wir 3 Wochen am Stück wandern können. Dafür haben wir uns den „schönsten Weitwanderweg“ ausgesucht. Er hat 1000km und 50 bis 60 etappen. Ca. 18 davon wollten wir laufen.
1. Tag
Schon um 5 Uhr verließen wir das Haus, weil um 7 Uhr unser Flug nach Milano ab Schönefeld ging. Von Milano fuhren wir mit 2 Bussen und 2 Zügen in die Berge nach Forno. In der Alberge de Leon hatten wir Quartier gebucht, was gar nicht notwendig war, denn wir blieben die einzigen Gäste. Nach einem Spaziergang durchs Dorf, tranken wir in einer urigen Kneipe ein Bier und lernten gleich die schöne Tradition der italienischen snacks kennen. Zu jedem Glas wird ein Teller chips, Käse oder Salami gereicht. Mensch könnte damit das Abendbrot sparen. Aber wir wurden auch noch in unserer Alberge mit Abendbrot erwartet. Das bestand aus einem mehrgängigen Menü, sehr liebevoll nur für uns zubereitet. Später ging noch ein heftiges Gewitter runter, aber da waren wir schon beim Espresso unter dem Terrassendach.