8.Etappe: Borgholm – Hagby 90km

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Heute sind wir wieder auf unseren drei Fernradwegen gefahren. Zunächst den Öland-Leden (Ödland – Leiden), dann den Sverige-Leddn (Schwieriges Leiden) und dann dem Cyklesparet (Deinfahrradkannstedirdirsparen – Weg). Das ging so schnell, dass wir schon um 13.30 Uhr die Fähre von Öland nach Kalmar bekamen. Die ging nur 30min, weil hier Öland nur 5km vom Festland entfernt liegt. Fahrräder dürfen die lange Brücke nicht nutzen. Ein Glück, die Brücke sah schon von weitem gefährlich aus.
In Kalmar haben wir uns nicht aufgehalten, obwohl es hier ein hübsches Schloss gibt. Auf einem Bahndamm und später auf kleinen fast autolosen Straßen gings weiter. Die Strecke und die Zeit vergingen wie im Flug.
Hier zelten wir einsam auf einem leeren Zeltplatz. Mit uns sind hier nur noch ein paar Geflüchtete. Der Platz war 3 Jahre ein Flüchtlingslager. Jetzt leben hier nur noch wenige Menschen, die noch keine Wohnung gefunden haben. Am anderen Ende des Platzes stehen vier deutsche Wohnwagen und davor sitzt ein Männerchor(?) und trällert zur Gitarre Lieder von Hannes Wader.
Die Welt ist schön!

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7. Etappe: Byxelkrok – Borgholm 69km

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Wir haben den langen gestrigen Abend genossen, in der Abendsonne am steinigen Strand gesessen, leckeres Abendbrot gekocht, Blogbeiträge geschrieben und der Sonne beim Untergehen zugeschaut.
Heute morgen wurden wir schon vor sieben von der Sonne geweckt. Auf dem Zeltplatz gab es keinen Baum.
Die heutige Tour war wesentlich leichter zu fahren als die vorigen sechs. Es ging fast immer an der Küste entlang, mal auf glatten Straßen, mal auf Schotterpiste und mal durch holprigen Küstenwald. Vorbei an schicken Ferienhäusern, Badebuchten und vielen Windmühlen. Aufgrund der steinigen Küste gibt es viele Trockenmauern, die an Irland erinnern. Wir machten Pause an einer Schleifmühle, die bis 1938 noch Steine für Fußböden glatt schliff. Heute ist sie die letzte ihrer Art auf Öland.

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Schon um 16 Uhr waren wir an unserem Etappenziel, Borgholm. Der Zeltplatz ist riesig, wir wurden auf das einzige Waldstück geschickt. Hurra, morgen früh Schatten! Aber zu früh gefreut: in den Bäumen wohnen Krähen, die auf unser Zelt scheißen. Unsere Nachbar*innen haben umgebaut, wir nicht. Wir putzen morgen früh das Zelt.
Der Zeltplatz ist perfekt eingerichtet. Es gibt Waschmaschinen. Da haben wir gleich mal große Wäsche gemacht.

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Oskarshamn – Byxblkrok (Ruhetag?)

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Frühstück und einpacken gingen heute richtig schnell. Wohl auch, weil wir diesmal nicht auf die nicht bestellten Brötchen warteten, sondern Altbackenes aßen.
Jedenfalls waren wir schon eine Viertelstunde vor der Öffnungszeit am Fahrradladen. Der öffnete aber gar nicht. Wie sich herausstellte, musste der Laden aus Mangel an Kundschaft (?) schließen. Es war der einzige in der Stadt. Aber zum Glück gibt es „Intersport“. Es geht doch nichts über eine gut sortierte Sportladenkette, die die kleinen Läden kaputt macht. Jedenfalls hatten die gute Reifen. Der Reifenwechsel hat 10 Minuten gedauert, weil alles so schön auf die Felge passte. Aber nicht unter mein Schutzblech. Jetzt schleift der Reifen dort ein wenig ….
Dann verbrachten wir 2 Stunden in einem Café mit Internet. Die 14.00 Uhr Fähre nahm uns ohne Murren an Board. Es ist ein kleines Schiff, das vielleicht Platz für 20 Autos hat, aber Räder ohne Vorbestellung mitnimmt.
Am Hafen von Öland soll es gleich einen Zeltplatz geben. Dort wollen wir bleiben. Morgen geht‘s dann wieder auf die Schotterpisten!

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6. Etappe: Västervik – Oskarshamn 100+km

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Wenn das Handy meldet: es ist zu heiß, um zu navigieren, wenn der Teer im schwedischen Asphalt Blasen schlägt, wenn wir an fremden Türen klingeln, um unsere Wasserflaschen zu füllen, dann sind wir wohl im falschen Reiseland zu mindestens zum Fahrrad fahren. Die Hitze erschöpft uns ziemlich, hinzu kommen die unerwartet häufigen Steigungen. Für die heutige Etappe war angekündigt, dass 30-40% der Strecke aus Schotterpiste bestehen. In Wirklichkeit war es wohl andersherum. 30-40% fuhren wir auf festem Belag. Zweimal kehrten wir auf eiskalte Getränke in einen Landhandel ein.
Eigentlich wollten wir nicht unbedingt die vorgeschlagenen 100km fahren, sondern nach 80 km schauen, wie es uns geht und dann spontan entscheiden. Jans Fahrrad nahm uns diese Entscheidung ab. Nach ca 70km begann es plötzlich stark zu eiern. Wir hatten gerade eine kurze Schotterpistenpause. Es stellte sich heraus, dass der hintere Reifen zwei heftige Beulen hatte. Der Schlauch halle sich durch den Mantel gedrückt. Wie sich beim Auseinanderbauen herausstellte, war der Mantel durch die Dauerbelastung zweimal gerissen. MIST! Wir waren mitten im Wald.
Wir entwickelten folgenden Plan: Luft etwas rauslassen (funktionierte, die Beulen wurden kleiner), Gepäck umverteilen, 30km auf glatter Fernverkehrsstraße nach Oscashamn bis der Reifen platzt, den Rest schieben. Dort in einen Fahrradladen und einen neuen Mantel kaufen.
Der Plan ging nicht ganz auf. Der Reifen platzte nicht, einen offenen Fahrradladen gab es aber auch nicht. Wir fuhren ziemlich k.o. auf den Zeltplatz, duschten und kamen gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang zum Abendbrot an den Strand.

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5. Etappe Yxingen – Västervik 90km

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Die Abfahrt gestaltete sich als schwierig. Wir hatten keine Brötchen vorbestellt und mussten also warten. Die Zeit wollten wir für den Zeltabbau nutzen. Das Zelt war aber noch feucht. So packten wir andere Dinge ein, aber so richtig klappte das auch nicht. Dann suchten wir einen Schattenplatz fürs Frühstück, dann vermissten wir Dinge, dann verzögerte sich das Brötchen backen, schließlich waren wir etwas entnervt und schlecht gelaunt.
Aber so spät kamen wir nicht vom Platz. Dennoch – wie immer – als letzte der Radwander*innen.
Die Strecke war zunächst sehr schön: Wir verließen das „Mittelgebirge“ mit einer Steigung und der folgenden Abfahrt. Dann fuhren wir auf einem ehemaligen Bahndamm auf ebener Strecke ein paar Kilometer im Schatten der Bäume. Dann begannen schöne Straßen, die aber sehr, sehr hügelig waren. Unser Reiseführer wollte, dass wir 100km fahren. Wir haben aber ca. 15km abgekürzt. Sonst hätten wir es wohl auch nicht geschafft. Zu viel auf und ab, viel zu heiß. Unsere Wasservorräte reichten nicht, obwohl wir zwischendurch auffüllten. Gerade die letzten 20km hatten es in sich – Steigung mit letzter Kraft nehmen, runter rollen und zu Luft kommen, Steigung mit letzter Kraft nehmen ….

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In Västervik haben wir uns in den ersten Laden (McDonald) gestürzt und ganz viel ungesundes Zeug getrunken. Dann waren es aber noch einmal 5km bis zum Zeltplatz. Der war jedoch ein Ressort mit tausenden Wohnwagen und viel Kinderbespaßung. Wir fanden glücklicherweise eine schöne Wiese am Meer(esarm), bauten auf, tranken weiter (Wasser) und gingen dann den ressorteigenen Supermarkt suchen. Dort gab‘s alles, was wir brauchten: Würstchen/Coleslaw und Bier. Der Rest war Business as usual.

4. Etappe Nävikvarn – Yxingen 90km

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Die ersten 15km waren hügelig, aber sehr schön, wie überhaupt die ganze Strecke heute. Dann gings mit der Fähre über einen Ostseefjord. 20Km danach trafen wir auf die Mündung des Götakanals. Der wurde Anfang des 19. Jahrhunderts von Soldaten errichtet, um Schiffen den Weg zur Ostsee zu ermöglichen, ohne dass die Dänen Zoll erheben konnten.

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Am Kana gings endlich mal eben 8km entlang. Danach gings hügelig weiter. Die letzten 20km hierher sind wir durch eine entfernt an Irland erinnernde Landschaft geradelt. Sehr einsam, aber anstrengend. Aber natürlich das ultimative Fahrraderlebnis. Die Hitze war wieder extrem und am Ende das Tages gabs dann ein Gewitter. Davon haben wir aber nur etwas Nieselregen abbekommen. Das war sogar ganz angenehm. Jetzt sitzen wir in der Abendsonne, vor der Zeltplatzrezeption. Von dort strahlt ein gutes W-Lan.

3. Etappe Trosa – Nävekvarn 90km

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Das Wetter ist unverändert: Sonne! Um 10.00 Uhr verließen wir die Schäreninsel vor Trosa und fanden auch auf den ersten 30km die Wege, die unser Homepage-Reiseführer empfiehlt. Das ging durch Wälder und Felder, teilweise über Schotterwege. Dafür hatten wir schöne Blicke auf die Ostsee, die durch die Schären und Buchten wie viele große Seen wirkt. Dann entschieden wir uns für die Komoot-Empfehlung. Das war nicht ganz so toll, weil wir nun auf breiten Straßen mit mehr oder weniger Verkehr fuhren. Dazu kam kräftiger Gegenwind und ein paar Hügel. Das hat uns ganz schön erschöpft. Und irgendwie haben wir auch wieder zu wenige Pausen gemacht.
Aber der nette Zeltplatz mit Blick entschädigt und den Flüssigkeitshaushalt haben wir auch wieder ausgeglichen.
Hier haben wir auch noch zwei Radfahrer getroffen, die die gleiche Strecke fahren wollen. Die sind ein bisschen verrückt, aber wahrscheinlich denken das andere Leute von uns auch. Wir meiden, wegen der hohen Preise hier, jegliche Kneipen oder Restaurants, kaufen im Supermarkt nur das preiswerteste Bier und kochen selbst. Das hat zur Folge, dass wir richtig wenig Geld ausgeben. Das wird wahrscheinlich ein Billigurlaub und das in einem der teuersten Reiseländer Europas. Wir sind eben verrückt….

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2. Etappe Mariefred – Trosa 72km

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Wir sind gut geübt im Verpacken unserer sieben Sachen und kamen wieder vor 10 Uhr los. Zuerst mussten wir ein paar Kilometer zurückradeln, um den Einstieg in die heutige Etappe zu finden. Wir fuhren nach Schildern und kamen damit durch ziemlich schöne, abgelegene Gegenden, durch Wälder, an Seen und kleinen Gehöften vorbei. Allerdings müssen wir dafür manchmal Schotterpiste in Kauf nehmen. Hügelig ist es hier viel mehr als erwartet. Heute haben wir oft in den ersten Gang runterschalten müssen und trotzdem jetzt ganz schwere Beine.
Deshalb haben wir heute den kleinen Einkauf auch schon vor dem Erreichen des Zeltplatzes gemacht, damit wir nicht wieder zurückmüssen. Der Zeltplatz liegt am Ende einer Schäre. Von unserem Zelt aus können wir die Ostsee sehen. J. war auch schon drin.

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1. Etappe Stockholm/Bredäng – Mariefred (Schloss Gripsholm) 86km

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Es war wie immer schwierig aus der Stadt herauszufinden, obwohl Stockholm hervorragende Radwege hat. Sie sind breit, oft separat vom Autoverkehr, mit eigenen Brücken und vielen Schildern. Aber wir fahren mit einer viel zu groben Karte bzw. mit komoot. Letzteres hat immer eigene Pläne über unsere Streckenführung. Als wir dann auf dem Sverigeleden, dem Schwedenradweg, waren, kamen wir gut voran. Nach 40km machten wir eine Pause in einem Macs, einem schwedischen MacDoof.

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Auf dem Weg nach Mariefred begegneten wir einer Museumsbahn, die dampfend durch die schöne Landschaft fuhr. Mariefred war noch voller Tagestourist*innen, die über den riesigen Mälarensee von Stockholm mit dem Ausflugsdampfer angeschippert kommen. Wir gingen erstmal auf Zeltplatzsuche, fanden ihn, bauten auf, duschten, aßen unsere restlichen Stullen und machten uns wieder auf den Weg in die Stadt. Die Tagestouris waren inzwischen weg und wir hatten den Supermarkt für uns allein.
Mit drei kalten Flaschen 3,5%igem Bier setzen wir uns an den Strand mit Blick auf Schloss Gripsholm und fanden heraus, dass es Kurt Tucholski mit seinem Roman bekannt gemacht hat. Er war hier während der Nazizeit im Exil und hat sich auch hier das Leben genommen.
Die Nacht war ziemlich kalt. Ich habe gefroren und dadurch schlecht geschlafen.

Stockholm / Bredäng 10.7.18

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Unser letzter Tag in Stockholm. Den Typen haben wir heute gleich zweimal getroffen: einmal vorm Theater und ein zweites Mal auf Mosebacke, einem schönen, aber viel zu teurem Ausflugslokal mit Blick auf Stockholm. Wer ist’s?

Zuerst waren wir im Mittelaltermuseum. Hübsch unter der Erde um die alte Stadtmauer gruppiert. Sehr anschaulich gestaltet und kostenlos. Stockholm ist ungefähr so alt wie Berlin, war aber schon immer der Hotspot im Lande.
Dann kauften wir eine Luftpumpe, weil meine alte kaputt ist. Die neue scheint aber auch nicht viel besser zu funktionieren. Hoffentlich haben wir keine Panne.
Dann sind wir ins Armeemuseum. Dort haben sie sich viel Mühe gegeben, die schwedische Geschichte von Krieg und Eroberung nicht ruhmreich und heldenmäßig darzustellen. Schweden war ja über einige Jahre (während und nach dem dreißigjährigen Krieg) eine europäische Großmacht. Sondern in der Ausstellung wurde stark das harte Leben der Soldaten und ihrer Opfer dargestellt. Auch hier gabs wieder einen Audioguide über App. Leider nur in Englisch, aber gut zu verstehen. Im 19. Jahrhundert sank Schwedens Stern und das Land schrumpfte auf seine jetzige Größe. Während der beiden Weltkriege war Schweden neutral. Was zumindest während des 2. Weltkrieges zweischneidig war. Einerseits bestimmt für die Schwedinnen und einige Emigrantinnen (Tucholski, Brecht, Weiß) gut, andererseits machte Schweden ganz schön viele Zugeständnisse an Deutschland. Was dem die Kriegsführung erleichterte. Außerdem verdiente Schwedens Industrie ganz gut am Handel mit den Nazis. Wird im Museum alles thematisisert, aber nicht deutlich kritisiert.

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Interessant sind auch die Unisex-Toiletten, die in allen Museen Stockholms zu finden sind. Viele Touristen und Touristinnen sind verunsichert, wissen nicht, ob sie in der richtigen Toilette sind. Für die Männer ist es mal eine tolle Erfahrung warten zu müssen, auch wenn man nur mal pinkeln muss. Die Frauen erleben leider bespritzte Brillen. Es wird sich hoffentlich einspielen, wenn Männer sich hinsetzen (müssen).
Seit Tagen haben wir uns jede Kneipe und jedes Cafe verkniffen, weil wir die horrenden Preise nicht zahlen wollten. Aber heute fanden wir die einzige Kneipe Stockholms, die Bier (wohlgemerkt Starkbier – 5 Prozent) billiger verkauft, als in Berliner Kneipen! 3€ der halbe Liter! Die Adresse geben wir auf Anfrage gern weiter.
Morgen gehts nach Mariefried zum Schloss Gripsholm.



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