Geh und sieh! Sowjetischer Film von 1985

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Diesen Film haben wir vor über 30 Jahren schon einmal gesehen und uns nur noch an wenige Bilder erinnert.
Auf sehr beeindruckende Weise erzählt der Film die Zerstörung des Dorfes Chatyn in Weißrussland im Jahre 1943 durch die SS. Dabei wurden sämtliche Einwohner*innen bestialisch ermordet. Der Spielfilm wirkt zunächst ungewöhnlich und fast surrealistisch. Konsequent wird aus der Sicht eines Jungen, der zu den Partisanen will und so in die Geschehnisse gerät, erzählt. An seinem gesicht lässt sich das Grauen ablesen, welches er erlebt und an dem wir teilhaben. Der Film lässt nichts aus und zeigt den irren Blutrausch der SS-Mörder in gewaltigen Bildern. Die Partisanen kommen zu spät. Sie können die Vernichtung Chatyns nicht mehr verhindern. Nach dem siegreichen Kampf töten sie alle gefangenen SS-Männer. Etwas anderes kann mensch auch nicht erwarten. Der Film endet ohne Pathos: Die Partisanen ziehen wieder in den Wald.

Als Paul übers Meer kam – ein Dokumentarfilm

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Dieser Film zeigt den Weg eines Geflüchteten aus Kamerun nach Berlin auf sehr eindrückliche Weise. Wir erfahren, wie menschenfeindlich die Festung Europa an ihren Außengrenzen agiert. Ob der Zaun von Melilla, die Camps im marokkanischen Wald oder die Ausländerbehörde in Berlin – der Film zeigt die Stationen von Pauls Reise, seine Ängste und Hoffnungen.
Wir haben den Film im Rahmen des Festivals „Achtung Berlin“ gesehen. Deshalb lernten wir am Ende auch noch die Filmleute und Paul kennen. Sie kamen auf die Bühne und erzählten über die Entstehung des Films. Das machte das gerade Gesehene noch realer. In die Kinos kommt er erst Ende August.

1917 – Der wahre Oktober Film

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Ich war auf diesen animierten Film sehr gespannt. Ich versprach mir etwas vom Feeling der Oktoberrevolution mitzubekommen.
Die Regisseurin sammelte Zitate aus Tagebüchern von Künstler*innen und fertigte dazu aus Papier und Pappe den Film. In meinen Augen war das Material nicht ausreichend, um die Tage zwischen Februar und Oktober 1917 auch nur annähernd zu beschreiben. Herausgekommen ist lediglich: Maxim Gorki war zweifelnd, Majakowski begeistert und die anderen Künstler*inenn verängstigt. Der Konflikt darum, ob die alte Kunst zu vernichten oder zu erhalten sei, ist ja eigentlich spannend. Aber nicht in diesem Film.
Die Animation war schön anzusehen, aber nicht anderthalb Stunden lang.

Der geteilte Himmel – Schaubühne

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Wir hätten das Buch vorher lesen sollen. Glücklicherweise wussten wir im Groben worum es ging, sonst hätten wir gar nichts verstanden.
Die Bühne war ein Laufsteg und das Publikum saß an beiden Seiten. Sollte wahrscheinlich die Mauer symbolisieren. Nach dem ersten Dialog wurden aus Blecheimern, die mit Namen zerstörter Städte des 2.WK beschrieben waren, Glaskristalle(scherben) auf den laufsteg geschüttet. Das dauerte 15 Minuten und ich hatte Angst, das es so weiter gehen würde. Aber das Spiel war dann kurzweilig, vor allem weil die Laufstegbühne von vielen Seiten bespielt wurde, die Schauspieler gut waren und es Filmeinblendungen gab.
Die Dialoge waren wahrscheinlich Zitate aus dem Buch, eine Handlung war aber kaum erkennbar. Und so erschloss sich uns nicht, was der Regisseur uns sagen wollte. Schade!

Kleiner Mann, was nun – Maxim Gorki Theater

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Manchmal stelle ich mir das Gorki Theater als einen einsamen Ort inmitten all des rechten Mainstreams vor. So schlimm ist es noch nicht, kann es aber werden.
Nach den vielen antirassistischen und (queer)feministischen Stücken, widmet sich das Gorki der sozialen Frage. Natürlich soll das Sozialdrama Falladas aus den 30ern Jahren den Bezug zu heute herstellen. Und das gelingt. Einmal besonders gut, als Pinneberg bei der Begegnung mit den Obdachlosen auf einmal eine Zeitreise macht und auf syrische Geflüchtete trifft. Das Stück scheut sich nicht das etwas kitschige von Falladas Roman mit ins Stück zu übernehmen. Und so bleibt glücklicherweise keine Verzweiflung, sondern Hoffnung übrig. Und obwohl das mal eine etwas längere Aufführung ist, wird es nie langweilig oder unverständlich.

Zwei sehenswerte Dokumentarfilme

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Der Film „Alles andere zeigt die Zeit“ nimmt nach 25 Jahren den Faden von drei Personen wieder auf, die der Regisseur Andreas Voigt 1990 in Leipzig kennen gelernt hat. Durch das Springen zwischen den Biografien und den zeitlichen Ebenen ist der Film nie langweilig. Im Gegenteil: es muss aktiv mitgedacht werden! Alle drei Protagonist_innen haben eine wechselvolle Geschichte, mit der sie sich – angeregt durch die Fragen des Regisseurs – auseinandersetzen. Die anschließende Diskussion mit dem Regisseur war nicht ganz so spannend, weil sie sich im Wesentlichen auf Nachfragen und viel Lob beschränkte.

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„Neben den Gleisen“ zeigt die Stammkund*innen eines Bahnhofskiosks in Boizenburg. Und das ziemlich genau und anschaulich im Sommer 2015, als hier täglich Gruppen von Geflüchteten ankommen und ins nahe Aufnahmelager gebracht werden. Die Protagonist*innen des Films erzählen von den Veränderungen ihres Lebens in den letzten 30 Jahren. Den meisten von ihnen geht es nicht so gut. Ein etwas deprimierender Film, aber trotzdem sehr sehenswert. Er wird sicher nicht lange im Kino zu sehen sein. Schade.

Der junge Karl Marx

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B. fand den Film etwas langatmig. Mir hats gefallen. Mensch konnte Zitate wiederentdecken. Der Bund der Gerechten wird im Handstreich übernommen und damit eine „gute“ linke Tradition begründet. Es wird diskutiert und gesoffen. Wunderbar. Linke Politik symphatisch dargestellt.
Kritik hin oder her. Ein schöner revolutionärer Kostümfilm.

Bangkok 29.3.2017

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Unser letzter Tag einer langen Reise. Wir wollten uns die alte Königsstadt Ayathua anschauen. Von 14 bis zum 18. Jahrhundert bauten hier sämtliche Könige ihre Tempel und Paläste. Heute sind es teilweise schön anzusehende Ruinen und UNESCO Weltkulturerbe.
Wir hatten herausgefunden, dass es mehrere Züge gab: ordinary, fast und Express, die sich erheblich im Preis unterschieden, aber nicht in der Schnelligkeit. Deshalb enschieden wir uns für ordinary, zahlten 15 Baht (40 ct) und setzten uns eine halbe Stunde vor Abfahrt in den Zug. Mit einer halben Stunde Verspätung fuhr der rappelvolle Zug ab und bummelte durch Bangkok. Da er sich in das Verkehrschaos einfügen muss, standen wir an jeder Ampel, an Baustelle auch mal eine halbe Stunde. Ordinary means ordinary – also gabs keine Klimaanlage und wir schwitzten unsere Klamotten voll.

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Als wir nach 4h 15min aus dem Zug stiegen, hatte unsere Laune ein Tief erreicht und die tuc – tuc Fahrer hatten wenig Chancen bei uns. Wir setzten über den die Königsstadt umgebenden Fluss und liefen zur ersten Tempelanlage. Hier gab es einen Buddhakopf, der zwischen die Wurzeln eines heiligen Bodibaumes geraten war und von ihnen umschlungen in die Höhe gewachsen war. Wie er dahin gekommen war? Darüber gibt es nur Spekulationen.

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Anschließend liefen wir zu einem gut erhaltenen Tempel: Wat Mahathat. Manche besuchten diesen Tempel auf einem Elefanten. Die drei weißen Stupas stellen die Ausnahme dar inmitten der roten Backsteinstupas. Allerdings haben die zahlreich heumstehenden Buddhas keine Köpfe mehr. Die Birmanischen Krieger haben sie vor ca. 200 Jahren als Trophäen in ihr Buddha-Wonderland mitgenommen. Als kleine Entschädigung zahlt nun Myanmar für die Restaurierung des größten stehenden Buddhas gleich neben den weißen Stupas. Weil die Arbeiten an dem gerade in vollem Gange sind, konnten wir ihn nicht anschauen.
Wir haben noch einen weiteren Tempel geschafft, bevor wir zum Zug mussten. Der war diesmal schön leer. Jedenfalls in der staubigen Holzklasse. Bis Bangkok gings zügig. Aber in der Stadt bummelte der Zug wieder. Erst als einige Langnasen entnervt ausstiegen und mit dem Taxi weiter wollten, gings flotter zum Bahnhof.
Den Abend haben wir im Food court bei Nudelsuppe und Thai-Veggie verbracht.
Heute Vormittag haben wir noch ein paar Mitbringsel eingekauft und uns sehr früh zum Flughafen aufgemacht. Wir sind jetzt vorsichtig.
Natürlich waren wir viel zu früh da und hatten noch Zeit für diesen Blogbeitrag. Den wir glücklich in Berlin angekommen, hiermit ins Netz stellen.

Bangkok, 27.3.2017

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Unser 4. Bangkoktag begann mit einem Gewitter. Bis 11 Uhr regnete es und den ganzen Tag blieb es so grau, dass ich nicht ein einziges Mal meine Sonnenbrille heraus holen musste. Das war ein Novum auf dieser Reise! Wir warfen unsere Pläne über den Haufen – wir wollten in die alte Königsstadt Ayutthaya – und machten eine lange Express Bootstour auf dem Chao Phraya River bis zum Ende der Linie.

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Wir landeten in einem Vorort von Bangkok und entdeckten kulinarische Köstlichkeiten: Dumplings mit tollen vegetarischen Füllungen. Weil sie sehr begehrt waren, mussten wir ein Weilchen bei der Herstellung zuschauen. Sie werden wie Pelmeni gemacht, aber per Hand und mit Reismehlteig. Anschließend werden sie gedämpft. Natürlich mussten wir uns durch alle Sorten durchprobieren und waren begeistert.

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Später trafen wir noch auf eine thailändische Bäckerei und kauften eine große Tüte voller Cookies, mini tarts und Brownies. Das alles ohne lonely planet und deshalb auch wenig touristisch.
Auf dem Rückweg machen wir an einem wunderschönen Tempel halt. Wat Arun oder Temple of Dawn liegt direkt am Fluss. Die Stupas sind mit filigranen Keramikmosaiken geschmückt. Sicherlich sieht er bei Sonnenschein noch viel schöner aus.

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Die Wettervorhersagen für morgen sind gut. Wir haben am Ende des Tages noch die Züge für morgen ausgekundschaftet und sind wild entschlossen an unserem letzten Bangkoktag noch mal auf Reisen zu gehen.

Bangkok, 26.3.2017

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Mit einem weiteren Geheimtip haben wir den Tag begonnen. Dazu mussten wir mit den Skytrain bis zur Endhaltestelle fahren und dann gings noch mit dem Taxi weiter. Das MOCA ist in einem schönen modernen Gebäude untergebracht und beherbergt moderne thailändische Kunst. Es hat zwar Spaß gemacht durch die fast leeren Räume zu streifen, aber die Bilder waren wenig spektakulär. Oft sehr bunt und gefällig, viel religiöses, schöne Frauen und viele Ornamente. Später habe ich gelesen: transzendale surrealistische Kunst. Ich glaube das trifft es. Wahrscheinlich wird das MOCA ein Geheimtip bleiben.
Zurück gings wieder mit dem Taxi zur Skytrainstation. Allerdings sind wir ungelogen einen 10km Umweg gefahren, weil es auf dem Highway keine Möglichkeit zum Wenden gab. Dann gabs noch Stau. Bangkok ist ein einziges Verkehrschaos.
An der Skytrainstaion befindet sich auch der berühmte und beliebte weltgrößte Chatuchaka Markt. Da waren wir eine halbe Stunde und haben glücklicherweise schnell den Ausgang gefunden.
Wieder in der Innenstadt gings nochmal nach Chinatown.

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Wir wollten was schönes essen. Aber das ist nie ganz einfach. Oft verstehen wir nicht, was da in Thai oder Chinesisch angeboten wird. Selbst wenn wir fragen, ist oft nicht klar, ob verstanden wurde, dass B. Vegetarierin ist. „No meat“ heißt oft, es dürfen schon etwas Huhn oder Fisch oder ein paar getrockneter Shrimps dabei sein. Heute hatte B. Tofu mit fettiger Schweinefleischsoße. Ich hatte überteuerten Reis mit Seafood. Leider beides wenig schmackhaft. Dieses Straßenrestaurant war leider eine Langnasenfalle.
Aber trotz aller Touristisierung Chinatowns. Es gibt noch so vieles exotisches zu entdecken: echte Haifischflossensuppe, scharfe Algensnacks, seltene Teesorten, brutale Damenhaarentfernerinnen und „Ich weiß auch nicht was da in der Suppe schwimmt“ Gerichte.

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