Logbuch der Henry IV – Passagier: Heimatlos
23.8.08
12.00 uhr wir haben beim zahlmeister den fahrpreis entrichtet und zwei haengemattenplaetze reserviert, das schiff wird per hand und ruecken von hafenarbeitern beladen, schwerstarbeit, es sieht aus, wie ein wuselbild
14.00 uhr markt pucallpa, haengematten und verpflegung gekauft
14.45 uhr boarding
16.00 uhr jetzt sollte das schiff eigentlich ablegen, aber es werden immer noch rohre, gasflaschen, bierkisten, reissaecke usw. beladen
17.00 uhr ein container wird abenteurlich mit einem kran auf das deck gehievt
18.00 das zwischendeck haengt jetzt voller haengematten ca. 150 menschen an board
19.00 uhr immer noch laufen haendlerinnen mit getraenken, taschenrechnern, haengenmatten an board herum, es wird immer noch beladen – das schiff scheint einen unersaettlichen bauch zu haben
20.00 uhr langsam werde ich ungeduldig, jemand sagt mir, dass wir um 22.00 uhr ablegen
21.30 uhr birgit hat die ultimative info: ablegen morgen frueh um 6.00 uhr
22.30 ich daemmere in meiner haengamatte vor mich hin – schaukelplatz ca. 70cm, kinder schreien, die menschen quatschen, manche singen
23.00 uhr im hinterdeck beginnen “ das beste der 80er jahre“ meine nachbarin zeigt ihrem rechten nachbarn alle klingeltoene, die ihr haendy vorzuweisen hat
24.8.08
5.30 uhr ich werde endgueltig wach und quaele mich aus der matte
6.00 uhr ein blick an deck: es wird immer noch beladen
7.00 uhr die haendlerinnen sind wieder da, es gibt fisch mit reis oder kuchen, wir entscheiden uns fuer kuchen, ein huhn spaziert unter den haengematten entlang
8.00 uhr eine sirene, wir legen ab, vamos!
10.30 uhr ich werfe eine bananenschale in den ucayalli, alle werfen alles in den fluss, es gibt keine muelleimer, auch das wasser kommt vom fluss und die toilettenspuelung
11.00 uhr essenausgabe: graupensuppe mit kochbanane und einen huehnerknochen, schmeckt gar nicht schlecht, birgit hungert
12.00 uhr wir fahren auf dem ca. 500m breiten fluss im schlaengelkurs, es ist trockenzeit und der kaeptn sucht die beste fahrrinne, die ganze zeit „singt“ das schiff – scheinbar schleift es am boden oder an steinen, das geraeusch ist ekelhaft, aber mensch gewoehnt sich daran
13.00 langeweile,
15.00 uhr wir gehen aufs oberdeck, am ufer kleine plastikplanenhuetten – wir vermuten fischer
17.00 uhr die sonne geht unter, ein recht malerisches bild
17.45 essenausgabe: nudelsuppe mit kochbanane und huehnerknochen, schmeckt ganr nicht so schlecht, der rest der suppe wandert in den ucayalli, birgit hungert
18.00 ich kaufe mir zwei buechsen bier
20.00 uhr wir daemmern in den matten
22.00 uhr eine razziaaehnliche ticketkontrolle wird durchgefuehrt, die toiletten werden abgeschlossen
22.15 uhr birgit muss mal, ausnahmsweise wird ihr eine toilette aufgeschlossen – die toiletten sind sehr ekelig und werden ausserdem als duschen genutzt, ein hahn haengt an der decke, er laesst sich nicht richtig schliessen, dann tropft mir beim pinkeln staendig wasser auf den ruecken, auf politisch korrektes pinkeln verzichte ich hier
23.00 uhr jetzt soll das schiff eigentlich in contamana sein, die hitparade beginnt, kinder schreien,….
24.00 uhr dauernd rennen wir zum deck und schauen nach lichtern
25.8.08
2.00 uhr land in sicht, wir verlassen das schiff, die meisten passagiere muessen noch mindestens 4 tage durchhalten
2.30 uhr ein kleines hostal oeffnet uns, ein sauberes zimmer mit piekfeiner dusche – ahhhhhhhhhhhhhhh