Huancayo 30.8.08

31. August 2008

Nach einer durchwachten busfahrtnacht sind wir auf ca. 3200m angekommen. Leichte kopfschmerzen und muede. Wir haben beschlossen hier eine woche zu bleiben. Der grund: ein super sonder special zum spanisch lernen. Wir haben freie unterkunft und 3 mahlzeiten und 3 spanischstunden taeglich. Da konnten wir nicht nein sagen.
Morgen machen wir eine tour durch die umliegenden doerfer – mit guide.

Huanuco 29.8.08

29. August 2008

Wir sind jetzt genau einen monat unterwegs
Unsere bisherige Reise Stand 29.8.08
Hier unsere bisherige reise:
1. Etappe: Lima – Huarez
2. Etappe: Huaraz – La Union – Huanuco
3. Etappe: Huanuco – Pucallpa
4. Etappe: Pucallpa – Contamana (Schiff)
5. Etappe Contamana – Pucallpa (Flug)
6. Etappe: Pucallpa – Huanuco
7. Etappe: Huanucu – Huancayo (heute nacht)

Pucallpa 28.8.08

28. August 2008

Bettelnde Kinder
Vor ungefaehr 14 tagen in den anden:
Nach einer durchfrorenen nacht im zelt, alle verfuegbaren klamotten am leib, pelle ich mich aus den schlafsack. Vor dem zelt sitzen zwei kleine maedchen barfuss in sandalen mit einer duennen decke. Meine erste eingebung: Gib ihnen irgendwas. Meine zweite eingebung: das musst du fotografieren. Der ersten eingebung habe ich nachgegeben.
Post
In jeder stadt gibt es nur eine post. Grosse gebaeude vor den schaltern gelangweilte sicherheitsbeamte, hinter den schaltern gelangweilte angestellte. Ansonsten ist alles leer. Erst in der dritten stadt gelingt es uns briefmarken zu erstehen. Eine marke kostet 1,50 euro (fuer „normale“ peruanerInnen unerschwinglich). In den strassen gibt es nirgendwo briefkaesten. Dafuer ist jeder zweite laden ein internetcafe, wo du auch telefonieren kannst. Die sind immer voll und billig. Eine stunde internet kostet 0,25 euro.
Sowas kommt von sowas.
Verdienst
Unser guide bekommt 500 Soles im monat. Das sind ungefaehr 120,00 euro. Er hat 3 tage im monat frei. Ich erhalte das 10fache. Abgesehen davon, dass hier vieles 10mal, 5mal oder 3mal billiger ist als in deutschland, bedeutet das fuer ihn ein sehr einfaches leben: kein fahrzeug, kaum moebel, kein urlaub, wenig klamotten, kaum gesundheitliche fuersorge usw.

Schwerstarbeit im Laufschritt beim Beladen der Henry IV

27. August 2008

Schwerstarbeit
Weitere fotos findet ihr, wenn ihr auf dieses bild klickt.

Pucallpa 27.8.08

Wieder zurueck in pucalla.
In cantamana sind wir vorgestern zu einem kleinen dschungeltreck aufgebrochen. Zunaechst ging es ca. 20km mit dem motocar auf einer lehmpiste durch schlammloecher. Dann hatten wir den kleinen lokalen nationalpark erreicht. Wir sind noch ca. 1 stunde mit einem einheimischen guide in den wald hineingelaufen. Und da waren wir dort wo die zwei quellen zusammenfliessen. Echte marxisten wissen bescheid, es fehlt eine! Aber wir waren trotzdem zufrieden. Eine quelle war heiss (ca. 30grad), die andere kalt. Und so bin ich fast 2 stunden im wasser geblieben und habe die standpunkte staendig gewechselt. Um 6 uhr gings ins bett – da ist es dunkel. Das heisst auf den bretterboden der offenen huette (aber mit moskitonetz).
Uebernachtung im Dschungel
Am naechsten tag sind wir um 7.00 uhr aufgebrochen. Birgit meinte es waere canon-ing, ich denke es war eher bach-ing.
Baching
Aber trotzdem ganz schoen anstrengend. Immer durchs Wasser waten, aud steinen balancieren oder klettern. Die ganze zeit roch es nach schwefel. Dann haben wir 4 stunden hinter einem verschlag gesessen und auf die papageien gewartet. Das mineralhaltige wasser lockt taeglich hunderte aras an, die dort ihren salzbedarf decken.
Zunaechst wurde es um uns herum immer lauter, die voegel trafen ein und informierten sich gegenseitig, dass die luft rein war (von wegen!!). Das dauerte 2 stunden, dann kamen sie urploetzlich von den baeumen und lieferten uns eine viertelstunde ein schoenes schauspiel. So ploetzlich wie sie gekommen waren, verschwanden sie auch wieder.
Die Papageientraenke
Wir wateten noch zu einem schoenen wasserfall, den ich ebenfalls ausprobiert habe.
Wasserfall
Auf dem rueckweg kamen wir noch in einen tropischen regen – heftig und kurz. Es reichte um voelig durch zu sein. Das schlimmste aber war, dass die gefahr bestand, dass das motocar nicht kommen kann, weil die wege ueberflutet sind. Wir hatten nur noch 3 bananen und eine packung kekse. Gerade, als birgit und ich uns zu „streiten“ (wir machen das fast nie) begannen, ob wir 5 stunden laufen oder noch mal im wald uebernachten, hoerten wir in der ferne…
Halsbrecherisch fuhr uns der driver nach contamana zurueck.
Wr sind echte liebhaber der motocars geworden, sie sind billig, nicht so ausbeuterisch wie rikschas und die fahrer lassen sich zu echten stunts hinreissen.
Motocar
Frisch geduscht, ein paar bier und essen vom stand.
Heute morgen gings mit dem flugzeug zurueck. Das war fast zehnmal so teuer, aber 70mal schneller – es brauchte 30min nach pucallpa zurueck.

Contamana 25.8.08

25. August 2008

Logbuch der Henry IV – Passagier: Heimatlos
23.8.08
12.00 uhr wir haben beim zahlmeister den fahrpreis entrichtet und zwei haengemattenplaetze reserviert, das schiff wird per hand und ruecken von hafenarbeitern beladen, schwerstarbeit, es sieht aus, wie ein wuselbild
14.00 uhr markt pucallpa, haengematten und verpflegung gekauft
14.45 uhr boarding
16.00 uhr jetzt sollte das schiff eigentlich ablegen, aber es werden immer noch rohre, gasflaschen, bierkisten, reissaecke usw. beladen
17.00 uhr ein container wird abenteurlich mit einem kran auf das deck gehievt
18.00 das zwischendeck haengt jetzt voller haengematten ca. 150 menschen an board
19.00 uhr immer noch laufen haendlerinnen mit getraenken, taschenrechnern, haengenmatten an board herum, es wird immer noch beladen – das schiff scheint einen unersaettlichen bauch zu haben
20.00 uhr langsam werde ich ungeduldig, jemand sagt mir, dass wir um 22.00 uhr ablegen
21.30 uhr birgit hat die ultimative info: ablegen morgen frueh um 6.00 uhr
22.30 ich daemmere in meiner haengamatte vor mich hin – schaukelplatz ca. 70cm, kinder schreien, die menschen quatschen, manche singen
23.00 uhr im hinterdeck beginnen “ das beste der 80er jahre“ meine nachbarin zeigt ihrem rechten nachbarn alle klingeltoene, die ihr haendy vorzuweisen hat
24.8.08
5.30 uhr ich werde endgueltig wach und quaele mich aus der matte
6.00 uhr ein blick an deck: es wird immer noch beladen
7.00 uhr die haendlerinnen sind wieder da, es gibt fisch mit reis oder kuchen, wir entscheiden uns fuer kuchen, ein huhn spaziert unter den haengematten entlang
8.00 uhr eine sirene, wir legen ab, vamos!
10.30 uhr ich werfe eine bananenschale in den ucayalli, alle werfen alles in den fluss, es gibt keine muelleimer, auch das wasser kommt vom fluss und die toilettenspuelung
11.00 uhr essenausgabe: graupensuppe mit kochbanane und einen huehnerknochen, schmeckt gar nicht schlecht, birgit hungert
12.00 uhr wir fahren auf dem ca. 500m breiten fluss im schlaengelkurs, es ist trockenzeit und der kaeptn sucht die beste fahrrinne, die ganze zeit „singt“ das schiff – scheinbar schleift es am boden oder an steinen, das geraeusch ist ekelhaft, aber mensch gewoehnt sich daran
13.00 langeweile,
15.00 uhr wir gehen aufs oberdeck, am ufer kleine plastikplanenhuetten – wir vermuten fischer
17.00 uhr die sonne geht unter, ein recht malerisches bild
17.45 essenausgabe: nudelsuppe mit kochbanane und huehnerknochen, schmeckt ganr nicht so schlecht, der rest der suppe wandert in den ucayalli, birgit hungert
18.00 ich kaufe mir zwei buechsen bier
20.00 uhr wir daemmern in den matten
22.00 uhr eine razziaaehnliche ticketkontrolle wird durchgefuehrt, die toiletten werden abgeschlossen
22.15 uhr birgit muss mal, ausnahmsweise wird ihr eine toilette aufgeschlossen – die toiletten sind sehr ekelig und werden ausserdem als duschen genutzt, ein hahn haengt an der decke, er laesst sich nicht richtig schliessen, dann tropft mir beim pinkeln staendig wasser auf den ruecken, auf politisch korrektes pinkeln verzichte ich hier
23.00 uhr jetzt soll das schiff eigentlich in contamana sein, die hitparade beginnt, kinder schreien,….
24.00 uhr dauernd rennen wir zum deck und schauen nach lichtern
25.8.08
2.00 uhr land in sicht, wir verlassen das schiff, die meisten passagiere muessen noch mindestens 4 tage durchhalten
2.30 uhr ein kleines hostal oeffnet uns, ein sauberes zimmer mit piekfeiner dusche – ahhhhhhhhhhhhhhh

Pucallpa 24.8.08

23. August 2008

Die letzten tage waren wieder voller erlebnisse. Wir haben 2 naechte in „la perla“ gewohnt. 12km von hier an einem see, der durch den grossen fluss ukally gespeist wird. Kein telefon, strom von 18.00 – 22.00 uhr, aber wir haben sowieso spaetestens 21.00 uhr geschlafen. Gestern sind wir fuer je 20,00 euro den ganzen tag mit einem guide auf dem see und auf dem fluss umhergeschippert und haben flussdelphine, faultiere (auch angefasst), fliegende fische, reiche indigenas und viele boote gesehen. Das ist jetzt hier unsere drite klimazone – echt tropisch heiss und trotz trockenzeit ist es feucht. Es hat auch schon 2 mal wie aus kannen geregnet.
Der regenwald ist voller interesannter pflanzen: ananas, guave, mango, banane, kokosnuss, maniok, reis, … und anderer pflanzen, die auch medizinischen zwecken oder dem drogenmissbrauch dienen. Unsere hostalbesitzerin ist sehr nett, sie ist mit uns durch ihr dorf gelaufen und heute hat sie uns eine schiffspassage auf dem ukally organisiert. Birgit wollte das unbedingt machen, aber alleine haetten wir das sicher nicht geschafft zu organisieren. Das schiff soll gegen 16.00 uhr ablegen und ca. 20 stunden bis canamara brauchen. Aber nichts ist hier punktgenau. Noch wird es in schwerstarbeit beladen und wir muesen gleich los unsere haengematte aufhaengen. Moeglichst weit weg vom motorraum (wer zu spaet kommt, …). Das wird ein echtes tropenabenteuer – das schiff sieht aus ….
Dort soll es papageien geben, die mensch sich unbedingt anschauen soll. Zurueck dann mit dem flugzeug, auf ein boot zu warten klann tage dauern. Strassen gibt es dort nicht mehr – pucallpa war der letzte ort, der mit dem bus zu erreichen ist. Lange rede kurzer sinn: Wir wissen nicht, wann wir uns das naechste mal melden.

P.S. Danke allen, die uns rausggehauen haetten (wie auch immer): Es stellte sich heraus, dass es sich bei der strassensperre um moderne bettelei gehandelt hat. Angeblich wird die dienstleistung: „Schutz vor Drogenhaendlern“ verkauft, allerdings glaubt niemand, dass die pistoleros den bus wirklich schuetzen koennen und andererseits pasiert auch schon lange nichts mehr.

Herzlich willkommen: ABGETAUCHT.

21.8.08 Pucallpa

21. August 2008

Dass ich so oft schreibe, hat mit der wartezeit zu tun. Warten auf den bus, warten auf ein hostal …
Wir sind die ganze nacht mit dem bus hierher gefahren. An schlaf war nicht zu denken.
In unserem reisefuehrer stand, dass die strecke hierher ein wenig unsicher ist. Es kam in den letzten jahren zu bewaffneten ueberfaellen – sogar am tage. Birgit hat sich bei verschiedenen leuten erkundigt, die alles als segur bezeichneten und ausserdem ist der lonely planet auch schon 2 jahre alt. Aber in dieser nacht war es wohl doch etwas anders:
Gegen mitternacht wurde unser bus von einer bewaffneten truppe gestoppt. Ein mann mit gewehr stieg ein. Er war ein wenig uniformiert und hatte auf seinem t-shirt etwas mit: frente … zu stehen. Er stellte sich mitten in den bus. Das licht wurde angeschaltet und er hielt eine leidenschaftliche rede, von der ich nur „amigos“ und „colloboration“ verstand. Die leute schienen ebenso interessiert, wie in der berliner u-bahn, wenn ein motz-verkaeufer redet. das beruhigte uns etwas. Aber war da nicht mal was? „frente popular“ oder hiess nicht mal eine volksbfreiungsarmee irgendwas mit „frente ..“? Aus buechern weiss ich dass die zeiten des
leuchtenden pfads und der mrta vorbei sind. Vielleicht eine buergerwehr oder was paramilitaerisches? Dann ging der mann durch die reihen und sammelte muenzen ein. Vielleicht doch die motz?
Als er bei uns ankam, war birgit sehr sehr mutig und fragte im gebrochenen spanisch wofuer das geld sei. Der mann begann seine rede von vorn. Jetzt fragte birgit, ob er englisch spricht. Da wurde er doch sehr ernst, drohte mit dem zeigefinger und sagte: „no ingles“. Das war der zeitpunkt, wo ich ihm schnell ein paar muenzen gab. Er wars zufrieden und setzte sich neben das fahrerhaus. Eine weile fuhr er noch mit uns. Irgendwo muss er dann ausgestiegen sein.
Ab da ging mir doch viel durch den kopf. Was, wenn wir entfuehrt worden waeren? Haetten dann die paar solipartys gereicht? Wo doch die „erreichbar“ in letzter zeit nicht mehr so gut laeuft?

Huanuco 20.8.08

20. August 2008

Heute nachts gehts in die selva (amazonien). 10 stunden busfahrt. Bis dahin langweilen, kaffee trinken, lesen, internet
(neue fotos bitte anschauen)

Stilleben

Huanuco 19.8.08

Vorgestern sind wir in Huaraz aufgebrochen. Es ging 5 stunden mit den bus durch die anden. Die berge wurden immer groesser und der bus schleppte sich serpentinen hinauf und hinunter. Die letzte stunde wurde die strasse zur lehmpiste und fuehrte durch eine enge schlucht. Alles sehr groesser und beeindruckender als in schottland oder neuseeland. Dennoch gefaellt es mir diese landschaft nicht ganz so gut. Ich habe lange ueberlegt warum: Es fehlt das gruen. Alles ist hier braun-grau.
Am abend kamnen wir dann in la union an. Das ist ein groesseres dorf. Die stadt war absolut staubig, weil es nur sandwege gab. Der sandstaub war staendig praesent – auf den bierflaschen im laden, auf dem bett im hostal, in unseren nasen. Vor ein paar monaten habe och moch durch „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Gabriel Marquez gequaelt. In la union habe ich zum ersten mal ungefaehr verstanden, was der dichter uns damit sagen wollte. Der ort hatte telefon und sogar eine bank. Aber irgendwie bekam ich das gefuehl nicht los, hier hatte sich der staub der jahrhunderte auf den ort gelegt.
staubiges La Union
Heute frueh ging es dann weiter. Wir fuhren die lehmpiste weiter. Damit war klar, dass la union waehrend der regenzeit wohl unerreichbar ist. Na ja dann haben die leute dort zeit staubzuwischen.
Der bus war mit einheimischen und zwei gringos/as ca. 6 stunden unterwegs. Er zuckelte am berg entlang. Von dorf zu dorf, die an den andenhaengen hingen. Es ist nur der geschicklichkeit und konzentrationsfaehigkeit des busfahrers zu verdanken, dass wir nicht mehrmals die 1000m (vielleicht warns auch mal weniger) hinuntergestuerzt sind.
Die doerfer wieder sehr arm, lehmhuetten ohne fenster- oft bunt angemalt. In der sonne sieht das ja alles noch sehr nett aus. Du brauchst dir aber nur vorzustellen, dass es nachts oft unter 0 grad wird. Ich vermute mal, dass es ansonsten auch an allen anderen annehmlichkeiten (fernsehen, buecher, autos, kneipe …) fehlt. Dabei werden die berge intensiv genutzt. Die haenge sehen aus wie patchworkdecken. Getreide, kartoffeln, mais und schweine, kuehe, gefluegel…. Und immer siehst du die leute arbeiten – wo bleibt also der lohn fuer dieses schuftende leben?
Huanuco ist eine relativ grosse stadt. Laut und sehr geschaeftig. Jedes zweite haus hat ein internetcafe. Hier habe ich zum ersten mal bilder von meinen mp3 player, der sticks lesen kann, bolder ins internet geladen. Wie ihr sehen koennt – ruhig anklicken und ihr seht noch ein paar andere bilder.
P.S. Herzlich willkommen UMBRELLA
Frage: Ubrigens kann mensch auf einer tastatur schreiben, auf der die buchstaben nicht mehr zu erkennen sind?
Antwort: ja, wenn mensch genug zeit hat.


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