Archiv für September 2008
Die fahrt hierher ging auch wieder ueber 10 stunden und war abenteurlich. Meine hochachtung dem busfahrer. Ich hoffe er wird sehr gut bezahlt. Nicht nur weil er es verdient hat, sondern auch weil er dadurch vielleicht ein wenig mehr am eigenen leben haengt.
Aber eigentlich ist es ja auch egal, ob mensch 50m tief faellt oder 500m. Der unterschied ist rein psychologisch und zusaetzliche 10 sekunden.
Und was sind schon bungee jumping und paragliding – die haben seil oder fallschirm.
Cusco ist wie erwartet – das touristInnenmekka, der kulminationspunkt, der mittelpunkt der peruanischen sonne und der gurgelnde abfluss, in dem alles geld verschwindet.
Die innenstadt ist sehr schoen. Alles kolonial, auf inkasteinen erbaut und sehr gut restauriert. Nette gaesschen, malerische plaetze, kunst- und souvenirlaeden der upperclass und kneipen, wie in prenzlberg, mitte oder auch am kudamm. Schon ziemlich teuer, aber fuer uns noch gut erschwinglich. Nur nicht fuer „normale“ peruanerInnen.
Heute haben wir uns fuer jeweils 30,00€ eine boleto de tourista geleistet. Damit kann mensch die zahlreichen inkaruinen in der umgebung cuscos ansehen. Heute haben wir schon 5 geschafft!!! Morgen werden es noch mehr.
DEMO AM MONTAG, DEN 15.09.08 UM 16 UHR, GEGENUEBER DER US-BOTSCHAFT, PARISER PLATZ
„Die situation in bolivien ist dramatisch. die oligarchie versucht ihre
interessen in den von ihnen befehligten gebieten gewaltsam durchzusetzen, um die regierung unter druck zu setzen: durch ermordung, verfolgung, erniedrigung indigener, vertreterInnen von orgas sociales, regierungsunterstützerInnen, allen, die nicht mit der oligarchie einverstanden sind oder nur so aussehen; unterbrechungen der gaspipelines nach brasilien und argentinien; zerstörung/besetzung staatlicher und regierungsfreundlicher einrichtungen, radio-stationen, flughaefen; blockaden der strassen und fluesse …“
siehe dazu auch: indymedia
Nach einer nachtfahrt sind wir wieder 3000m.
Die fahrt war schlimm- kaum beinfreiheit. Wir haben 12 stunden fuer 260km gebraucht. Das ist ein schnitt von 20km/h. Die strasse war eine sandpiste. Es war vollmond und wir konnten sehen, dass die strasse sobreit wieder bus war. Danach gings steil bergab.
Aber alles nicht so schlimm.Wir haben im hotel ein wenig geschlafen und waren dann wieder mal auf dem oertlichen markt. Immer wieder faszinierend: Morgens kommen die menschen mit offenen LKW aus den doerfern. Sie bringen alles mit: lebendige Tiere, tote tiere, obst, klamotten usw. Dann wirdverkauft, geschwatzt, gegessen. Ein sonntaegliches vergnuegen – auch fuer uns.
Allerdings wird hier alles am ende der trockenzeit immer staubiger. In ayacucho habe ich zum ersten mal eine art sandsturm erlebt. Es war ziemlich windig und ploetzlich naehrte sich eine staubwolke von den aussenbezirken her. Die stadt lag wie im nebel.
Waehrend der letzten tage haben wir es uns in ayacucho gut gehen lassen. Wir haben eine tour gemacht, die uns in die umgebung fuehrte. Wari-kultur und unabhaengigkeitskampf. Die fuehrung war auf spanisch und ich habe fast nichts verstanden. Aber wozu gibt es das internet:
Wari – Kultur
und
Schlacht bei Ayacuchu
Wenn doch alles so einfach waere.
Waehrend der tour drueckte eine frau birgit mit den worten: „ceramica“ (Keramik, der Uebers.), eine kleine scherbe in die hand. Wir schauten sie genauer an. Es war ein stueck Wari-Keramik – wahrscheinlich ueber 1000 jahre alt. Hmm. Nun sind wir reich!
Heute haben wir die erste politische demonstration in ayacucho beobachtet. Die oertliche freundschafts gesellschaft peru – kuba demonstrierte fuer 5 in den usa inhaftierte kubaner.
Auch hier ein link:
Cuba si
Dort koennt ihr ausserdem einen spendenaufruf fuer das milchprojekt in pinar del rio (kuba) finden. Pinar del rio ist unser naechstes reiseziel – dort wollen wir in einem botanischen garten arbeiten. Nach dem Hurrican „gustav“ ist dort wohl vieles zerstoert.
Und weil das heute der link(e) tag ist:
Die situation in bolivien eskaliert:
Tote in Bolivien
und Venezuela reagiert ebenfalls:
Chavez reagiert
Mal sehen wie wir da reinpassen?
Heute haben wir eigenmaechtig einen berg bestiegen. Nach einer stunde waren wir aus der stadt heraus. dann ging es bergauf. Die landschaft war sehr trocken und voller kakteen und eukalyptusbaeume. Fast subtropisch, wie in kreta im hochsommer. Allerdings 3000m hoch. Wir hatten schoene blicke auf ayacucho und einen kleinen einblick in das peruanische landleben. Hier oben gab es felder, die mit rindern bewirtschafte wurden. Handtuchgross und terassenartig. Eine idylle.
Ayacucho gefaellt uns sehr gut. Auf dieser hoehe (2600m) ist die temperatur sehr angenehm. Wir haben einen trockenen, aber nicht zu heissen sommer hier, mit angenehmen nachttemperaturen. Die stadt hat flair, ein wenig upmarket in der innenstadt, mit touristInnencafes und feinen restaurants. Kolonialhaueser, die sogar aufgemotzt sind. Das haben wir bisher in peru nicht erlebt. Gleichzeitig gibts einen markt, der praktisch die ganze innenstadt umgibt. Also alles was das touristinnenherz begehrt. Vielleicht ein kleiner vorgeschmack auf cusco?
Wir wollen noch ein paar tage bleiben.
peru es limpio
In peru gibt es wahrscheinlich den hoechsten pro kopf anteil an besen weltweit. Staendig wird hier gefegt und gewischt. Das scheint auch noetig, weil es kaum muelleimer gibt. Wenn wir in einer gaststaette sitzen, wischt staendig irgendjemand/eine um uns herum. Vor den haeusern wird auch immer gefegt, auch wenn dabei meist nur staub aufgewirbelt wird.
Besen gibt es auf dem markt in vielen wunderschoenen farben und groessen. Die muellabfuhr kommt immer mit musik. Meist evergreens. In huancavelica wurde: „I wish you a mery christmas“ gespielt.
Auf grosse bierflaschen gibts pfand – immer unterschiedlich hoch. Mensch kriegt aber nie pfand zurueck, hoechstens neue volle flaschen – die dann ohne pfand. In huancavelica bekamen wir kein neues bier, weil wir keine leeren flaschen hatten. Seitdem habe ich immer ein paar leere bierflaschen in meiner jackentasche!
Gestern haben wir unseren letzten tag in huancavelica verbracht. Und wieder einmal ein tag voller erlebnisse. Ich koennte schreiben, schreiben, …..
Am morgen wurden wir durch schuesse geweckt, die in den bergen wiederhallten. Wir erfuhren, dass diese schuesse eine prozession einleiten, die aus einem der doerfer nach huancavelica hinunterkommen. Wir sahen sie leute dann noch oefter an diesem tag in der stadt.

Dann waren wir in der touristinformation. Dort wurde uns eine kostenlose fuehrung zur Mine „Santa Babara“ - 5km entfernt von huancavelica – angeboten. In dieser mine arbeiteten im 17. jahrhundert und in den folgenden indigene sklaven. Sie foerderten das quecksilber, dass die silbermine in potosi (bolivien) brauchte.

Der Eingang zur Mine ist verschlossen“
Die lebenserwartung lag bei 10 – 15 jahren, nachdem die kinder (15 jahre alt) dort begannen das erz zu foerdern. Muetter brachen ihren kindern die beine, um ihnen die sklaverei zu ersparen. Natuerlich gehoerte zur mine auch eine schoene kirche.
Die mine „Santa Babara“ ist ein beispiel fuer die unglaubliche ausbeutung lateinamerikas, durch die spanischen kolonialherren. Allerdings war die mine nur solange nuetzlich, solange auch in potosi silber gefunden wurde. Als das nicht mehr der fall war, wurden die minen, die staedte und die zerstoerte umwelt zurueckgelassen. Die wurden nicht mehr gebraucht. Nutzniesser waren feudalistische kolonialisten und mehr noch der entstehende kapitalismus in grossbritanien und holland.

Huancavelica verdankt seine entstehung jedenfalls der „Mina de la muerta“.
Am nachmittag waren wir dann noch auf der suche nach den thermalquellen. Wir haben sie auch gefunden, aber sie waren einstmals liebevoll angelegt, inzwischen kaputt, uebernutzt. Die ganze umgebung war elend. Wir sahen bauruinen, in denen menschen lebten – die fenster waren mit pappe verklebt. Eben ueberfluessige menschen.
Heute morgen um 4.30 uhr machten wir uns auf den beschwerlichen weg nach ayacucho. Zusammen mit einheimischen bestiegen wir den kleinen bus. Es war voll und kalt. Kinder lagen im knaeuel auf der rueckbank oder teilweise auf der erde. Wir fuhren durch eine phantastische mondlandschaft – dem alti plano. Eine hochebene mit vereinzelten bergen. Als es hell wurde sahen wir, dass es geschneit hatte. In diese menschenunfreundlichen gegend standen vereinzelt haeuser aus lehmziegeln (adobe) – dort stiegen immer wieder leute aus. Wir konnten uns nicht vorstellen, wie mensch hier leben kann.

Gegen 8.00 uhr erreichten wir ein kleines strassennest und warteten hier auf ein „Micro“. Es wurde so vollgestopft wie es nur ging. Als gringo mit meiner koerpergrosse war ich der lacher!

Das lachen verging uns aber, als der kleinbuss anhielt und versucht wurde ein schaf und zwei schweine auf das dach zu hieven. Ihr werdet es nicht glauben – es ging. Das verzweifelte quieken war ohrenbetaeubend und selbst die erfahrenen microfahrerinnen drinnen, wurden ganz still. Waehrend der dreistuendigen fahrt ging es wieder einmal durch riesige taeler und auf steile serpentinen. Allerdings konnte ich die fahrt nicht so sehr geniessen. Das lag an meinen eingezwengten beinen und an den vereinzelten schreien der schweine. Das schaf hoerten wir nicht. Spaeter erfuhren wir auch warum. Beim ebenso quaelenden abladen der tiere, hatte das schaf die zunge zwischen den zaehnen und bewegte sich nicht mehr. Ein schwein hatte sich wohl ein bein gebrochen. Der besitzer schaute ziemlich bedeppert. Und das ist ja die eigentliche tragoedie: Aus seinem kleinen verdienst wird nun nichts.
Ayacucho ist nur 2600m hoch. Es ist schoen warm hier. Nachdem wir die staubige und verslumte subburb hinter uns gelassen hatten, praesentierte sich Ayacucho als ziemlich urban. Endlich wieder touristInnencafes!
Nach einer doch nicht so kalten nacht, haben wir uns ein neues hotel gesucht. Hier gibts eine dusche und ein fenster. Etwas gemuetlicher.

Der sonntag fing mit einer grossen parade der schuelerInnen von huancavelica an. Es war der …jahrestag der bildung in diesem ort. Die schuelerInnen praesentierten nicht ihre arbeitsergebnisse, sondern zeigten, wie gut sie marschieren konnten. Am besten schnitten hier die jungen der privatschulen ab. Sie hatten holzgewehre dabei, die sie herumwirbeln konnten.

Die matheschule brachte ihr beine auf brusthoehe. Aber den publikumspreis erlangten die kindergartenkinder. Sie waren zwar ziemlich arhythmisch. Aber es war doch zu putzig anzuschauen, wie ernst sie das militaerische nahmen.

Die staatliche schule ueberzeugte lediglich durch masse. Ueber 36 schulerinnen gehoeren hier in eine klasse. Ueberall konnten wir in die gluecklichen gesichter der eltern und kinder schauen.
Beruhigend laesst sich sagen, das perus militaerische erfolge, denen der niederlagen doch nachstehen.
Am nachmittag stiegen wir auf einen berg. Oben angekommen fand gerade ein katholischer gottesdienst statt. Damit hatten wir nicht gerechnet. Es muss ungefaehr 4000m hoch gewesen sein.
Am nachmittag sind wir ueber den sonntagsmarkt geschlendert und haben wieder ausprobiert:
cebiche: roher marinierter fisch – sehr lecker. Wenn du ihn in der zwiebelmarinade isst, heisst er „leche de tigre“
gekochter mais - ist hier viel groesser
chicha: gekochter roter mais, ananas oder andere fruechte als saft getrunken
froschsuppe: ein uebelaussehender brei, angeblich sehr naehstoffreich, birgit wollte unbedingt kosten
P.S: Ich habe einen neuen link eingerichtet – zu amerika 21.
Hier gibt es indepedent nachrichten aus lateinamerika!

