Heute verlassen wir schon wieder pucon. Wir haetten laenger bleiben sollen. Es gibt hier mehr zu tun, als erwartet. Aber wir werden in valdivia erwartet.
Pucon ist die stadt der erlebnisgungrigen backpackers. Es gibt rafting, kayaking und climbing. Das alles haben wir nicht getan, sondern waren gestern in einem nationalpark – nur 1 stunde mit dem bus. Doert sind wir 7 stunden (ohne tanja) durch eine gruene landschaft gewandert. Das war sehr schoen immer den vulkan im hintergrund. An klaren blauen bergseen vorbei, einige wanderer haben gebadet. Wir hatten natuerlich wieder keine badesachen dabei. Interessant waren die teilweise riesigen araukarienbaeume und bambus. Letzterer ist bestimmt nicht wirklich von hier.

Archiv für Dezember 2008
In pucon wurde unsere fragile dreierbeziehung gestestet. Als wir gestern aus dem bus stiegen, stellte birgit fest, dass sie die adresse des reservierten hostels nicht aufgeschrieben hatte. Etwas unsicher gingen wir mit unseren 20kg rucksaecken in die vermutete richtung. Birgit fragte immer wieder nach dem hostal „paraiso“. Niemand kannte es. Nach 15 min gab ich entnervt, vorwurfsvoll und missgelaunt auf. Meine beiden reisepartnerinnen schafften es noch gut 500m weiter. Dann nahmen wir uns ein taxi zu einem internetcafe. Dort stellten wir fest, dass wir schon in der richtigen richtung unterwegs waren und, dass das hostal „paradise“ (fuer chilenen ein wichtiger unterschied) heisst. Ein erneutes taxi brachte uns 200m weiter von dem punkt an dem wir aufgegeben hatten.
Ist das nicht ein schoenes gleichnis. Eine stunde spaeter war meine laune wieder besser. Das lag an dem pitcher voller kunstmann!
Aber nun zu unserer vierten umfrage:
Worin besteht der verhaengnissvolle unterschied zwischen SCL und SLC? Diese frage ist vor allem fuer aufmerksame blog-leserInnen sicher leicht zu beantworten.
Der oder die gewinnerIn bekommt einen flug Santiago – Punta Arenas fuer 2 Personen am 27. februar um 6.10 uhr. Wir hoffen das ist nicht zu frueh? Gefaelschter pass ist allerdings voraussetzung.
Sollte der flug nicht angetreten werden koennen, bieten wir einen kleinen trostpreis, der anfang maerz berlin erreichen sollte.
dann moechten wir euch folgendes sehr ans herz legen:
50 Jahre kubanische Revolution
Am 1. Januar 1959 siegte die kubanische Revolution und jagte den Diktator Batista aus dem Land. Ein Grund für uns, eine rauschende Nacht zu feiern! Das Programm ist vielfältig: Wir zeigen ein Kleinod von einem Film, der eine tragikomische Geschichte aus genau dieser Revolutionsnacht zeigt und vom Regisseur Daniel Diás Torres stammt: Quiéreme y verás (Liebe mich und Du wirst sehen).
Nach dem Film spielen Luis Enrique y su gente alles, was es an kubanischer Musik gibt, Joaquin la Habana & Ensemble lassen mit ihren Showeinlagen ein Stück Tropicana in Berlin aufleben und DJ Mambo One, gebürtig aus Havanna, legt bis zum frühen Morgen auf. Nach Mitternacht haben sich die deutsch-kubanischen Hip Hoper Leberschadencrew & El Lapis angesagt.
Eine Tombola mit vielen Preisen wartet ebenso wie ein Büffet, ein Begrüßungscocktail und ein Glas Sekt zur Jahreswende.
Jeder Cent Gewinn geht an unser Projekt, den Aufbau des Botanischen Gartens in Pinar del Rio im Westen Kubas.
Einlass 19.00 Uhr, Beginn 20.00 Uhr.
Karten im Vorverkauf an allen bekannten Vorverkaufsstellen für 37 Euro oder direkt hier bestellen.
Geruechtweise gibts fuer alle, die nach 24 uhr kommen erheblichen preisnachlass (5,00€ ?)! Falls einige von euch noch in moabit zu tun haben!
Vorbei an endlosen weinfeldern, obstplantagen und gemuesebeeten im hintergrund braune berge, teilweise schneebedeckt. Hier gibts die kirschen noch billiger, nur der wein ist noch nicht reif. Deshalb gibts ihn nur in fluessiger form. Talca ist eine stadt mit vielen 99 cent laeden und einem aufregenden busbahnhof. Dort haben wir heute einige zeit verbracht um unsere weiterfahrt zu organisieren. Morgen gehts in einen natrionalpark und uebermorgen schon weiter nach pucon.
Nachtrag – wohnen bei cecilia und carlos
Wir wohnten in einem wahrscheinlich klassischen haushalt. In grossfamilie! Ausser den staendigen bewohnern carlos, cecilia, vicente, dem opa, der cousine,der schwester, den 2 ehemaligen strassenhunden und der alten katze. waren die mutter/oma zu besuch, kamen onkel und tanta am sonntag und waren wir auch fast immer anwesend. Aber das schien allen ein normaler zustand zu sein. Die kueche war winzig und trotzdem gab es immer etwas zu essen. Cecilia war gut organisiert und als die ruhelose oma da war hat sie auch mal sauber gemacht. Carlos und cecilia gehen arbeiten. Da bleibt nicht viel zeit fuer oberflaechliches.Ceilia und carlos haben fuer uns anrufe getaetigt, sind mit uns zum flughafen gefahren um tanjas rucksack zu suchen, haben tanjas transport zum freitagnachtevent und zurueck organisiert und waren hervorragende spanischlehereInnen fuer uns. Carlos hatte immer zeit fuer ein abendliches bier (er trinkt er gern, schnell und viel wie ich), cecilia hat zwischen quatschen, essen und kind stillen immer mal wieder geschlafen. Einmal durften wir mit in ihre schule, anschliessend bekamen wir auch noch die umgebung von santiago und eine toepferei gezeigt. Eine interessante erholsame woche fuer uns – eine stressige woche (wie immer?) fuer sie. Danke!
Nicht nur in chile war es ein heisser tag. Uns wurde noch waermer, als wir die berichte aus lichtenberg gelesen haben.
Von santiago aus, sind wir ueber das wochenende nach valparaiso gefahren. Das ist nur 2 stunden entfernt von der chilenischen hauptstadt. Valparaiso ist eine hafenstadt, die wesentlich mit zu chiles reichtum (?) anfang des 20. jahrhunderts beigetragen hat. Heute ist sie bei touristInnen bekannt fuer ihre huebschen haeuser auf den huegeln am hafen. Die gebaeude sind mit wellblech verkleidet, das bunt angemalt wurde. Inzwischen sind hier oben teure restaurants und hotels entstanden. Aber nicht alles ist modernisiert, wir sind auch noch durch urspruengliche gegenden gelaufen. Hier war das wellblech rostig und an den waenden waren viele interessante graffities.
Unten (am hafen) haben wir viele obdachlose gesehen, wie bisher in keinem anderen suedamerikanischen land. Sie liegen oft mitten auf dem gehweg – nicht zu uebersehen – im koma, vom alk und vom schnueffeln.
Heute wollen wir pablo neruda einen obligatorischen besuch abstatten und anschliessend in den benachbarten noblen badeort vina del mar fahren. Hoffentlich scheint bis dahin die sonne. .-)
Wir wuenschen allen einen schoenen 2. advent!
Wovon anfangen zu schreiben?
Vielleicht, dass tanjas rucksack genau 4 Tage(!) nach ihrer ankunft hier auch den weg hierher genommen hat. Ich hatte es schon geahnt, die amis wollten ihn nicht rausruecken. Oder vielleicht hats dem rucksack so gut in den usa gefallen. Gestern abend hat er noch in salt lake city vielweiberei betrieben.
Weil tanja gestern noch auf ihr gepaeck warten musste, waren wir allein unterwegs in santiago. Wir haben das historische museum besucht. Die geschichte chiles endet in diesem museum am 11.september 1973. Die kaputte brille allendes und 4 kopien internationaler zeitungen von diesem tag beenden die ausstellung. Ein gutes beispiel chilenischer vergangenheitsaufarbeitung. Kein wort oder bild ueber die ergebnisse der sozialistischen regierung vor 73 und erst recht nichts von den verbrechen der pinochet-junta. Anschliessend waren wir bei „citras“ – das ist eine organisation, die sich um die folteropfer und die hinterbliebenen der „verschwundenen“ kuemmert. Beatriz Brinkmann sagte uns, dass die bestrafung der taeter fast immer ausbleibt, dass die opfer kaum oder keine entschaedigung bekommen. Es gab zwar sogenannte „wahrheitskommissionen, es kamen aber nur faelle zur anklage, bei denen es todesopfer gab. Und diese situation haelt 35 jahre nach dem faschistischen putsch und seit 18 jahren demokratie an.
Heute morgen sind wir mit cecilia (unserer gastgeberin) an den rand von santiago gefahren. Vorbei am nationalstadion, in dem 1973 nicht nur viktor jarra, sondern auch andere kommunistInnen, sozialistInnen und antifaschisteInnen umgebracht wurden. Das war aber nicht unser ziel. Wir wollten an den rand der stadt, wo die gefaengnisse und die irrenanstalten sind. Cecilia arbeitet in einer schule fuer geistig behinderte. Die schueler sind von mitte 20 bis 94 jahre alt. In einem kleinen, aelteren und baufaelligen komplex werden hier diese menschen gebildet, beschaeftigt und angeregt. Dabei sind leute, die sprechen koennen oder mehrfach behindert sind oder sich kaum bewegen. Das machen die lehrerInnen mit viel liebe und fast ohne material und mittel. Interessant ist hier ganz besonders, dass es sich hier nicht um therapie im engeren sinne handelt, sondern um kollektive erfahrungen . Das hat mensch den schuelerInnen angemerkt. Sie sind alle sehr freundlich und offen. So oft hintereinander bin ich noch nie gekuesst worden. Als wir dann zum hospital mussten, wo die meisten schuelerInnen leben muessen, war unsere gute laune vorbei. Unglaublich: Riesige krankensaele (40 betten), keine privatsphaere, graue waende, sehr alte schmudlige betten, kahle heruntergekommende aufenthaltsraeume in den menschen schaukelnd herumsitzen. Einige muessen auch fixiert werden, weil sie sich sonst selbst verletzen – wen wunderts. Dazwischen ganz wenige krankenschwestern, die mangel, dreck und das elend verwalten muessen. Wer will dort arbeiten? Wir sind zu einem jungen Autisten gegangen, der gehoerlos ist und fast nichts sieht. Er lag in seinem bett. Einmal am tag fuer 30 minuten wird er aus dem bett geholt, die lehrerin massiert ihn, stimuliert seinen koerper was ihm offensichtlich grosses vergnuegen bereitet, sie machen ein paar taktile uebungen und dann gehen sie hinueber in die schule. Dort hat er koerperlichen kontakt zu anderen und geniesst die sonne. Anschliessend gehen sie zurueck zum bett, wo er die zeit – fixiert – bis zum naechsten tag verbringt. Wenn wochenende ist, bleibt er im bett, in den 2 monatigen ferien auch. Da konnten wir nichts mehr sagen.
Vielleicht noch zum schluss. Gestern nacht ist mir birgit samt oberbett auf den koerper gefallen – wir schlafen hier im doppelstock. Zum glueck etwas schraeg, so, dass ich nur eine kleine schramme habe. Aber das an dem tag, an dem ich untenstehendes lied hochgeladen habe! Wer’s noch nicht gehoert hat: Wenzel hat recht!
Wir wohnen bei cecilia und carlos in einem kleinen haus mit vicente (dem sohn), der nichte, der schwester, dem opa, 2 hunden und einer katze. Und voruebergehend ist auch die oma zu besuch. Wir stoeren hoffentlich nicht zu sehr. Alle sind sehr nett zu uns. Birgit bestreitet die spanische konversation, waehrend ich mich auf’s nicken beschraenke oder ab und zu eine vokabel in die diskussion werfe. Dann loben mich alle, weil ich so schoene fortschritte mache.
Gestern ist tanja mit etwas verspaetung gelandet. Leider ist ihr rucksack in atlanta geblieben und so sitzen wir heute fest und warten auf das gepaeck.
Gestern sind wir mit tanja noch ein wenig durch die innenstadt geschlendert. Wir haben die moneda gesehen, schoen restauriert, keine spuren mehr vom putsch am 11.september 1973. Davor steht jetzt sogar ein allende denkmal. Darauf ein satz aus seiner damaligen abschiedsrede im radio. Die flugzeuge haben wenig spaeter begonnen die moneda zu bombardieren: „ich glaube an chile und sein schicksal“ Ein etwas nichtssagender satz, aus einer rede, in der er sonst schon von sozialismus geredet hat. In den naechsten tagen wollen wir herausfinden, ob es mehr erinnerung an allende gibt. Erst einmal im historischen museum.
Aber jetzt heisst es warten – Amis gebt den rucksack frei!!!!
