Quito 28.2.09

28. Februar 2009

Quito 28.2.09

Das ist der blick aus unserem kleinen appartment in quito. Gestern haben wir alles klar gemacht. Nachdem wir uns zwei „löcher“ in quitos touristInnen – gebiet angeschaut hatten, die völlig rotten waren.
Die zwei zimmer kosten fast so viel, wie unsere wohnung in wedding. Aber hier wohnen wir in einem viertel der besser-verdienenden. Am eingang steht ein security-man und hält uns immer die tür auf. Ich traue mich kaum noch raus :-)
Allerdings wohnen wir auch nur 2 min vom bekannten quitoer independent kino entfernt. Das zeigt manchmal filme in englisch. Heute abend auch.
Am vormittag sind wir ein stück weiter nördlich spazieren gegangen. Hier ist die gegend noch feiner. Die klassengegensätze treten dort offener zu tage.
Vor den türen die wachleute, autoputzerInnen, hausmädchen (empleadas) und gärtnerInnen. Oft dunkle hautfarbe und schwarze haare.
Hinter den gesicherten türen und mauern wohnen die bewohnerInnen, gut gekleidet. Meist europäisch modern – mit heller haut (hautaufheller gibts hier in drogerien) und blond gefärbten haaren.
The powerline is the colourline!
In unserem neuen kiez ist es genauso, nur halt eine wenig alternativer.

Quito 26.2.09

27. Februar 2009

Heute hat es nun doch noch geklappt. Bei unserem zweiten besuch in der quitoer altstadt sind wir beklaut worden. Klaus hatte unvorsichtigerweise seinen rucksack ueber die stuhllehne gehaengt …
Der/die dieb/in war so geschickt, dass wir es erst gemerkt haben, als wir das cafe verlassen wollten. Aber auch der sicherheitsmensch am eingang war ahnungslos. Glücklicherweise waren im alten tschibo-rucksack nur ein verbandspäckchen und eine nagelschere.
Klaus war sicher sehr froh, dass er seinen pass in einer anderen tasche hatte. So konnten die beiden heute beruhigt zum flugplatz fahren. sie sind inzwischen sicherlich mit den ecuadorianischen billig-rosen in medellin gelandet.

Wir haben heute nachmittag eine sprachschule aufgesucht. Die nächsten 3 wochen werden wir unsere sprachkenntnisse auffrischen, das heißt birgit. Ich werde mit offenem mund dasitzen und staunen wie komplex doch die spanische sprache ist. Sie haben uns sogar versprochen uns eine kleine wohnung zu organisieren. Wir haben nach 7 monaten das hostelleben satt, weil
die matratzen immer zu hart oder zu weich sind,
mensch das duschwasser nie richtig einstellen kann,
morgens die kirchenglocken läuten, autoalarmanlagen kreischen oder staubsauger plärren,
es zum frühstück nie guten kaffee oder nie weiche brateier oder nie kräftigen tee oder nie butter oder nie käse gibt,
das hostel zu dünne wände hat,
die fenster nie zu öffnen sind,
die klimaanlage knarrt und tropft,
es keine bügel gibt,
die gästeküche keine flaschenöffner hat,
die auscheckzeit vor 10.00 uhr liegt,
unterm bett die spinnen wohnen …..
Wir würden noch mehr gründe finden, wenn es darum geht jeden abend in irgendeinem restaurant essen zu müssen und birgit wieder nur „ensalada“ bekommen kann.
Mit anderen worten wir seeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeehnen uns nach selber kochen und selber betten machen.

Vor unserem jetzigen hostal (übrigens sehr gut) steht die spanische botschaft. Jeden morgen drängen sich dort an die hundert menschen – ordentlich aufgereiht durch zäune und sicherheitsbeamte. Sie warten auf visa.
Wir sind immer wieder erstaunt, wie sichtbar der alltägliche wahnsinn in südamerika ist.

Quito 25.2.09

26. Februar 2009

Ecuador ist ein rosenexportland. Heute haben wir eine rosenplantage in der nähe von quito besucht. Die rosenplantage bestand aus mehreren großen gewächshäusern und einer sortierhalle. Von hier aus gehen die rosen vor allem nach china, usa und russland. Bis zu 15 tage können die rosen, die schon voll ausgebildete blüten haben, konserviert werden. Das geschieht mit einer speziellen flüssigkeit (vorsicht giftig) und niedrigen temperaturen.
Im moment sind viele stöcke abgeerntet, weil gerade valentinstag war, Na klar!
Aber uns wurde gesagt, dass jetzt alle mit hochdruck arbeiten, um zum russischen valentinstag genug rosen produzieren zu können.
Russischer valentinstag? Es hat einen moment gedauert, bis wir begriffen haben.
….na ….na … na klar der 8.märz! Internationaler frauentag!
Der reale sozialismus hatte also sein gutes, er sichert auch heute noch arbeitsplätze in ecuador.
Auf dem rückweg haben wir 25 wunderschöne rosen für 1,50 $ an einem stand gekauft. Da habe ich dann doch wieder am realen sozialismus gezweifelt.

Die tour führte uns außerdem nach otavalo mit seinem großen handwerksmarkt. Diese stadt lebt vom tourismus. Die indegena, männer und frauen laufen in ihrer tracht herum. Das scheinen sie nicht nur für die touristen zu tun. Es gehört zu ihrem selbstverständniss. Vergleiche mit den bayern drängten sich uns auf. Aber das verbietet sich eigentlich, wenn mensch weiß, wie die indigena in südamerika auch heute noch unterdrückt werden. Was mensch von den bayern wohl nicht sagen kann. Außerdem sehen die trachten der ecuadorianerInnen schöner aus.

Ab morgen nachmittag sind wir wieder alleine. Klaus und helmut fliegen zurück nach medellin und am samstag nach frankfurt . heute gabs deshalb ein lecker teures abschiedsessen, was die beiden bezahlt haben. Danke brigadehelmut

Quito 24.2.08

25. Februar 2009

Wir sind heute auf dem hausberg gewesen. Leider war es sehr wolkig. Aber ab und zu hatten wir kurze blicke auf quito.
Quito liegt ja schon 2600m hoch, die seilbahn brachte uns auf 4100m. Dementsprechend waren wir etwas kurzatmig und die 2min sonne haben mir das gesicht vollständig verbrannt.
Hier ist immer noch feiertag und so habe ich in einem kleinen billigen restaurant nudeln mit muscheln, shrimps und einer riesigen languste gegessen. Es waren so viele leckere teile, von denen ich einige noch nicht mal mit namen kannte. Davon könnt ihr mit euren mickrigen pizzas „meeresfrüchte“ nur träumen. Klaus hatte das selbe als suppe, hat aber schon sehr früh aufgegeben. birgit hatte einen obstsalat :-)
Am abend waren wir in einem teuren supermarkt hier in der nähe. In der zone, in der unser hostel liegt, hat alles europäische preise. Die leute, die hier immer wohnen und wir touristInnen bezahlen die abwesenheit von armut und straßenkriminalität recht großzügig.

Quito 23.2.09

24. Februar 2009

Heute ist karneval in quito. Wenn mensch glaubt, dass es hier abgeht wie in rio, dann täuscht sie sich. In quito ist es absolut ruhig. Es ist schulfrei und die geschäfte und restaurants sind geschlossen.
Wir haben uns heute die altstadt angesehen. Hier war wenigstens ein bisschen was los. Miltärparade und leute, die sich mit wasser und seifenschaum bespritzt haben. Wir fanden es nicht so lustig. Auch deshalb, weil wir nicht mehr so richtig unterscheiden konnten: Zwischen den kids, die uns als kleine meute beklauen wollten oder den faschingsgecken.
Die Altstadt von quito ist schön restauriert und hat hübsche kirchen und balkone. Leider waren auch alle museen zu.
Aber einen ersten eindruck, von der stadt, in der wir 4 wochen bleiben wollen, haben wir gewonnen.
Schließlich ist ja nicht immer karneval.

Medellin 22.2.09

23. Februar 2009

Wir sitzen gerade auf dem flughafen und probieren das w-lan hier. Es ist sehr langsam. Nachdem wir die kontrollen hier (sie sind natürlich die schärfsten – wir sind in kolumbien) hinter uns haben, warten wir auf unsere billig-maschine nach quito.
Heute vormittag waren wir noch mal in der citty. Es war sonntäglich lebhaft, immer noch sind wir überrascht über die vielen obdachlosen, die mitten auf der straße liegen und schlafen. Sie sehen elend aus. Viele liegen auch an den hauptstraßen auf dem standstreifen. Manche ernähren sich aus den abfallsäcken, die hier auf die straße geworfen werden.
Einerseits sind wir etwas traurig, weil wir das land im schnelldurchlauf absolviert haben. Andererseits sind wir auch froh hier weg zu kommen.
Ob es in ecuador anders ist?

Armenia 20.2.09 und 6. umfrage

21. Februar 2009

Heute waren wir im kaffee-nationalpark. Das war eher ein themenpark, ein wenig rummel, ein wenig botanischer garten, seilbahn und eine kaffeeplantage. Wir sind aber alle wege abgelaufen und haben einiges ueber den kaffee gelernt.
In diesem zusammenhang gibts auch die neue umfrage:
In berlin heißt er kaffee schwarz, anderswo cafe negro oder espresso. Aber wie heißt der schwarze kaffee in kolumbien? Er wird in cafes oder auf der straße verkauft, ist meist zu dürre, aber süß.
Als preis winkt echter kolumbianischer kaffee aus dem nationalpark, der schon ende februar berlin erreichen wird.
Wenn der zoll mitspielt und es nicht mit dem kolumbianischen exportprodukt nummer 1 verwechselt. (zusatzfrage: was ist eigentlich das kolumbianische exportprodukt nr. 1?)

Armenia 19.2.09

20. Februar 2009

Reisetag:
Vorbei an plantagen, gruenen bergen und schluchten.
Vorbei an endlos langen kasernen mit martialisch bewaffneten soldaten.
Vorbei an huetten aus holz und plastik.
Blick aus dem reisebusfenster auf die wirklichkeit.

Bogota 18.2.09

18. Februar 2009

Bogota war die ersten tage kalt und nass. Viele obdachlose, bettlerInnen, verkehrschaos …. Definitiv nicht zum wohlfühlen, weder für uns touristInnen, noch für die einheimischen.
Wir sind ein wenig durch die innenstadt gestiefelt. Augenfällig die viele polizei, armee und security.

Bogota

einem freund hatte ich geschrieben, in kolumbien ist es auch nicht anders, als in peru. Das muss ich zurücknehmen. Kolumbien ist durchuniformiert! Es besteht ein ausgesprochen großes sicherheitsbedürfnis beim staat und bei denen, die geld verdienen und ausgeben wollen.
Die museen in bogota sind sehr gut. Das goldmuseum hat nicht nur sehr schöne stücke aus der vorkolumbus-zeit, sondern informiert auch über die geschichte und die herstellung des metalls. Der eintritt in die museen ist spottbillig oder kostenlos.
Aber nicht nur das hat mich beeindruckt. Auf dem Bolivar-Platz standen frauen und männer und hielten transparente in die luft. So etwas interessiert uns ja immer.

Auch Soldaten sind Opder?

Anscheinend handelte es sich um eltern von getöteten soldaten. wahrscheinlich im kampf gegen den linken „terror“ gefallen? Fragt sich, wo die mütter der getöteten guerillos stehen? Fragt sich auch, wie der frieden erkämpft werden soll. Das hat sich scheinbar ein einsamer gegendemonstrant auch gefragt.

Gegendemonstrant

Wenn wir es einigermaßen richtig übersetzen, heißt es ungefähr so: kann mensch humanität mit bombardements erkämpfen? Aber vielleicht kanns eine/r von euch besser übersetzen?
Dem Simon Bolivar (übrigens auch ein terrorist) ist das alles scheißegal.

Bolivar in Bogota

Er schaut auf den neuen justizpalast gegenüber:

Der neue Justizpalast von Bogota

Wahrlich kein schmuckstück. Aber dafür bombensicher und neu.
1985 hat die M-19 den palast besetzt und zahlreiche richter gefangengenommen. daraufhin gab es mehrtägige heftige kämpfe bei denen das gebäude zerstört wurde und wohl bis zu hundert menschen starben. Die m-19 war für spektakuläre aktionen bekannt, so stahl sie auch einmal das schwert von simon bolivar aus einem museum in bogota. Deshalb muss mensch heute beim verlassen dieses museums durch eine metalldedektoren-schleuse. Bei mir hats nicht gepiept!

Gegenüber vom neuen justizpalast steht das alte parlamentsgebäude. Dort fand ich dieses graffiti:

Drohung?

Soll das eine drohung oder ankündigung sein?
Keine angst. Der M-19 ist heute teil der sozialdemokratischen partei kolumbiens und hat dem bewaffneten kampf lange abgeschworen. FARC und ELN noch nicht.

Heute scheint in bogota die sonne – da sieht doch die welt gleich ganz anders aus?

San Gil 15.2.09

16. Februar 2009

Heute wurde hier der Strom abgeschaltet. In Kuba haben wir zeitweise stromabschaltungen erlebt. Aber kolumbien ist besser. Bisher haben wir fast jeden tag stromausfälle gehabt.
Hier in san gill geschah das planmäßig. So wie die autofreien sonntage in den 70ern in der BRD. Aber heute stromabschaltungen in deutschland – undenkbar. Nichts würde mehr gehen.
Wir haben nicht erfahren warum.
Jedenfalls waren trotzdem alle Geschäfte auf, es muss allerdings das eis in gefriertruhen aufgetaut sein. Manche geschlossenen geschäfte waren mit vorhängeschlössern gesichert – die alarmanlagen funktionierten nicht.
Kolumbien ist sowieso einzigartig. Hier wird das Obst gesalzen, der kaffee wird aus thermoskannen auf der strasse verkauft und die kirchenglocken bestehen aus kuchenblechen und werden ab 5.00 uhr morgens in unregelmässigen abständen geschlagen. So hört es sich jedenfalls an.
Morgen gehts nach bogota.


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